DIE RABENSCHWARZE SEITE

Dienstag, 4. Januar 2011


London Review of Books (Großbritannien), 06.01.2011

Bild zum ArtikelMit Michel Foucault liest Eliot Weinberger die Memoiren vonGeorge W. Bush Jr., an denen manch einer mitgeschrieben hat, der "Autor" wohl eher nicht: "Wie es sich für einen postmodernen Text gehört, sind viele Passagen des Buches bloßes Pastiche von Momenten aus anderen Büchern, darunter auch Szenen, die Bush selbst gar nicht erlebt hat. Diese stammen aus den Memoiren von Mitgliedern der Bush-Regierung und journalistischen Berichten wie Bob Woodwards 'Plan of Attack' und 'Bush at War'. Um das Maß des Postmodernismus voll zu machen, gibt es Dialogstücke, die von Woodward geklaut sind, der wiederum berüchtigt dafür ist, Dialoge frei zu erfinden... Die Prosa erinnert an die Texte der aktuellen Po-Mo-Stars Tao Lin … und Kenneth Goldsmith, etwa des letzteren 'unkreatives Schreiben', beispielhaft verkörpert in seiner Mitschrift der täglichenRadiowetterberichte im Verlauf eines Jahres. Wie Foucault meinte: 'Das Schreiben der Gegenwart hat sich von der Frage des Ausdrucks befreit.'"