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Dienstag, 30. November 2010

Heiler und Exorzist


Literaturen (Deutschland), 29.11.2010

Bild zum ArtikelAuf dem Titel, als wäre es die Weihnachtsausgabe desSpiegel: kein Geringerer als Jesus Christus. Im Gesprächdazu der Theologe Gerd Lüdemann, der den Herrn freilich gehörig herunterputzt. 95 Prozent der Jesusworte aus dem Neuen Testament hält er für Mumbo-Jumbo, die Judenfeindlichkeit der Evangelien kritisiert er und fasst seine für gläubige Christen etwas ernüchternde Botschaft so zusammen: "Alles spricht dafür, dass Jesus in erster Linie ein Heiler und Exorzist gewesen ist. Und das hängt miteinander zusammen, weil Krankheiten im Verständnis der Zeit nichts anderes waren als die Besessenheit von Dämonen. Beim ältesten in den Evangelien überlieferten Wunder handelt es sich um eine Dämonenaustreibung, und die allermeisten Theologen halten diese Exorzismen für historisch verbürgt. Dabei muss man nicht an Zauberei glauben. Ich gehe davon aus, dass Jesus ein psychosomatisches Einfühlungsvermögen gehabt hat, eine besondere heilerische Fähigkeit, die ihm und seinen Zeitgenossen als magische Eigenschaft erschienen ist."