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Mittwoch, 3. November 2010

Große Gehirne sparen weniger !

NZZ Folio (Schweiz), 01.11.2010
Bild zum ArtikelNZZ Folio inspiziert in seiner neuen Ausgabe das Gehirn. Mathias Plüss führt uns in die Grundlagen der Intelligenzforschung ein. Hirn macht erfolgreich, musikalisch und gesund, aber nicht glücklich, erfahren wir. Hirn hat sogar echte Nachteile: "Kurzsichtigkeit ist hier noch das geringste Übel, auch wenn das Klischee für einmal stimmt: Extrem hochbegabte Schüler tragen viermal so häufig eine Brille wie durchschnittliche. Weniger harmlos ist, dass intelligente Menschen offenbar nicht gut mit Geld umgehen können. Wer einen höheren IQ hat, hat zwar auch ein höheres Einkommen, aber nicht ein höheres Vermögen. Große Gehirne sparen weniger, gehen öfter pleite und überziehen ihre Kreditkarte häufiger."

Ulrich Bahnsen hat bei einer Umfrage unter Neurowissenschaftler gelernt, dass es mit dem Hirndoping noch nicht so richtig klappt, an der Wirkung von Modasomil, Donepezil oder Ritalin muss noch gefeilt werden, erklärt ihm Kognitionsforscher Ralph Schumacher von der ETH Zürich: "'Nach der Einnahme von Neuro-Enhancern fühlen sich die meisten leistungsstark und mächtig', sagt Schumacher. Bei Tests mit Studenten habe Ritalin jedoch geradezu desaströse Effekte gezeitigt: 'Sie werden sehr impulsiv und fahrig, beginnen mit dem Lösen von Aufgaben, bevor sie alle relevanten Informationen haben.' Am Ende seien ihre Leistungen schlechter als die der Placebogruppe gewesen. 'Ritalin', folgert der ETH-Forscher, 'führt bei gesunden Menschen nicht zu einer Leistungssteigerung, sondern zu Selbstüberschätzung.'"

Weiteres: Gary Wolf porträtiert den polnischen Entwickler Piotr Wozniak, der den idealen Moment sucht, um etwas, das man gelernt hat, zu repetieren: "Der richtige Zeitpunkt ist kurz bevor man den Stoff vergisst." Reto Schneider hat erfahren, dass wir mitunter einen Computer anlügen, um seine Gefühle nicht zu verletzen. Und Luca Turin erzählt, warum seine Vorstellungen von Personen manchmal noch prägender sind als seine tatsächlichen ersten Eindrücke.