DIE RABENSCHWARZE SEITE

Dienstag, 3. August 2010

SÜSSKARTOFFELN

"Wir verlassen die diskursive Sphäre der Massenmedien nie, wir blättern nur um oder wechseln den Sender."

In einem aus der aktuellen Printausgabe von A Prior Magazine übernommenen Interview geht der britische Künstler Victor Burgin (mehr hier und hier) mit der derzeit angesagten dokumentarischen Kunst hart und wortreich ins Gericht. Am Schluss aber ist er sprachlos, als seine Gemüseverkäuferin ihm die Dominanz der von den Medien propagierten Wirtschaftstheorien über die Kunst und das Leben aufzeigt.

"Ich ging in den Bioladen um die Ecke, um Süßkartoffeln zu kaufen. Ich hatte in der vorherigen Woche welche gekauft, und als Ursprungsland war Spanien angegeben. Ich nahm mir zwei und ging zur Kasse, als ich bemerkte, dass der Hinweis auf das Ursprungsland fehlte. Ich fragte die Frau hinter dem Tresen, ob diese Kartoffeln auch aus Spanien seien. 'Sie sind aus Israel', sagte sie. 'Dann will ich sie nicht', sagte ich. 'Oh', sagte sie, 'die Bauern sind nicht die Regierung. Die wollen doch nur Geld verdienen, wie wir alle.' Sie sagte das in einem Ton und mit einer Miene, die klar machte, dass sie überzeugt war, dass dieses Argument eine Erwiderung ausschloss - und tatsächlich war ich sprachlos. Was konnte ich sagen? 'Geld zu verdienen', das ist unser grundlegendes Verlangen und unveräußerliches Recht, das ist es, was jedes atomische Individuum mit 'allen' verknüpft - welche Hoffnung gibt es da noch für die Kunst oder die Universität, wenn dieses Denken obsiegt?"