DIE RABENSCHWARZE SEITE

Samstag, 15. Mai 2010

Wahlprogramme

BERLIN – Wahlprogramme legt man sich nicht aufs Nachtschränkchen, gewiss. Bei wachem Verstand sollte der Wähler allerdings in der Lage sein zu verstehen, was eine Partei will, warum man sie wählen sollte. Doch Parteien geht es in den Programmen oft darum, allen Strömungen im wahrsten Wortsinn Ausdruck zu verleihen, mit schweren Begriffen den Eindruck bedeutender Anliegen zu machen oder ein juristisch dichtes Werk zu hinterlassen, auf dass der Wähler nach dem Wahlabend nicht den Finger zwischen die Zeilen lege.

Was leidet, ist die Verständlichkeit. Das belegen die Programme zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. In den Beiträgen der großen Parteien
finden sich Begriffe wie die „kooperativen Versorgungsstrukturen“
(CDU), das „doppische Haushaltswesen“(FDP), das „Konnexitätsprinzip“
(SPD), die „Sequestrierung“ (Grüne) und die „korruptiven Sachverhalte“ (Linke). Da bleiben Fragen … Auch ein Wörterbuch Deutsch – Englisch sei dem Leser ans Herz gelegt, denn "Repowering“ (SPD),
„pauschale Overhead- Sätze“ (FDP), „Open Access- Modelle“ (CDU)
und „CrossBorder-Leasing“ (Linke) wird sonst nur verstehen, wer die
„Coachingangebote“ der Grünen in Anspruch genommen hat.