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Dienstag, 20. April 2010

Lauter Verrisse

20.04.2010 03:30 Uhr Drucken
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Frau des Historikers Figes als Netz-Rezensentin enttarnt

Dass vielen Netz-Nutzern nicht bewusst ist, wie durchsichtig die virtuelle Anonymität des Internets sein kann, zeigt sich jetzt wieder im Fall von Stephanie Palmer. Sie ist die Ehefrau des britischen Russland-Experten Orlando Figes, der eine Geschichts-Professur am Londoner Birkbeck College innehat. Auf der britischen Website des Internet-Versandhauses Amazon hat Palmer, Jura-Dozentin in Cambrigde und Menschenrechtsanwältin, unter dem Pseudonym "Historian" die Bücher von Autoren attackiert, die sie als Konkurrenten ihres Mannes betrachtet.

So beschrieb sie jüngst "Molotov"s Magic Lantern", das neue Buch der Autorin Rachel Polonsky als "die Art Buch, von dem man nicht begreift, warum es je veröffentlicht wurde". Polonsky, die 2002 Orlando Figes Russland-Buch "Natasha"s Dance" kritisch besprochen hatte, schaute sich daraufhin andere Amazon-Besprechungen von "Historian" an. Dabei fand sie unter anderem auch einen Verriss der Autorin Kate Summerscale vom selben Netz-Rezensenten. Summerscale hatte 2008 den Samuel-Johnson-Sachbuchpreis gewonnen, für den Figes als Favorit gegolten hatte. "Was hat sich die Jury dabei bloß gedacht?", fragte "Historian".

Da sich die IP-Adresse des Computers, von dem aus die Verrisse gepostet wurden, mit der von Orlando Figes deckte, nahm Polonsky an, dieser habe sie selbst geschrieben. Figes wehrte sich zunächst mit Unterlassungsklagen gegen diese Unterstellung. Nun jedoch hat er bekannt gegeben, niemand anderes als seine Frau sei "Historian".

ALEXANDER MENDEN