DIE RABENSCHWARZE SEITE

Sonntag, 18. April 2010

Eine Internet-Story:

Gennadiy Ryklin ist zwanzig Jahre alt. Er studiert im Bundesstaat New York Psychologie. Der Sohn weißrussischer Einwanderer betreibt nebenher eine kleine Firma, die Werbeschaltflächen im Internet vermittelt. Im Juli 2009 bestellt er auf Ebay einen neuen Computermonitor bei der Firma Atech Services. Ryklin überweist sein Geld, hört aber kaum etwas von Atech Services. Bald fürchtet er, betrogen worden zu sein. Nach zwei Wochen schreibt er an Atech, er wolle sein Geld zurück. Er nennt den Besitzer von Atech "Arschhut".

Der beleidigte Besitzer heißt Adam Goldstein, und auf das letzte Schreiben antwortet er sofort. Er droht, er werde Ryklin verklagen wegen Beleidigung, das Geld werde er zur Deckung eventueller Prozesskosten vorerst einbehalten. Gennadiy Ryklin schreibt seine Geschichte daraufhin in das Forum Something Awful. Er bittet um Hilfe. Anonymous kriegen Wind von der Geschichte.

Über seine Firmenzulassung finden Anonymous Goldsteins persönliche Daten. Goldstein erhält zunächst Anrufe und E-Mails, in denen er bedroht wird. Dann werden seine Internetpräsenzen über automatisierte Daueraufrufe lahmgelegt, als Nächstes die Server seines Internetproviders. Ein Mitglied von Something Awful nimmt seinen eigenen Anruf bei Goldstein auf und stellt ihn ins Netz. Man hört Goldstein hysterisch schreien: "Ich habe hier mehr Waffen im Haus als auf einer Polizeistation. Die wollen meine Mutter vergewaltigen. Ich kriege ständig Anrufe und Faxe mit Hakenkreuzen, meine Internetseiten wurden lahmgelegt. Diese Leute werden alle verklagt werden. Die sitzen alle in Alaska."

Die Leute sitzen nicht alle in Alaska, sie sitzen überall auf der Welt und verstecken sich hinter falschen IP-Adressen. Anonymous bestellen bei den Pizzalieferanten der Umgebung ständig auf Goldsteins Namen. Sie füllen im Internet Tausende Formulare für den kostenlosen Versand des Korans aus auf seine Adresse, sie lassen ihm ständig leere UPS-Boxen zukommen. Aus einem vorbeifahrenden Auto werden tote Tiere auf sein Haus geworfen. Schließlich tauchen Aushänge mit Goldsteins Foto darauf in seiner Nachbarschaft auf: "Dieser Mann ist ein bekannter Päderast und lebt hier."

Gennadiy Ryklin bekommt am Ende einen Anruf von Goldstein. Er werde ihm sein Geld zurückgeben, wenn Ryklin auf Something Awful für ein Ende der Attacken plädiere. Ryklin sagt heute, es sei vielleicht ein bisschen weit gegangen. Aber Goldstein habe bekommen, was er verdient.