DIE RABENSCHWARZE SEITE

Freitag, 30. April 2010

Dienstag, 27. April 2010

Heute darf man seinen Hund heiraten

Das Magazin (Schweiz), 24.04.2010

Bild zum Artikel"Grundsätzlich scheint mir, dass im Zusammenleben eine natürliche Selbstverständlichkeit verloren gegangen ist",meint der Psychoanalytiker Jürg Acklin in einem Interview über Pädophilie, Zölibat und die Veränderung der Sexualmoral seit 1968: "In Sachen Sexualität kommt mir die heutige Gesellschaft vor wie eine 4-Zimmer-Wohnung. In zwei Zimmern sitzen die Evangelikalen, in den anderen zwei wird ein Pornofilm gedreht. Oder anders gesagt: Heute darf man seinen Hund heiraten, aber keine Kinder streicheln. In dieser Situation kommt es immer wieder zu Überreaktionen, wo ein Säuberungsenthusiasmus entsteht. Im Verbietendürfen ist etwas Triebhaftes, und der Genuss liegt dann im Bestrafen."


Die ausländische Entwicklungshilfe für Äthiopien

Die ausländische Entwicklungshilfe für Äthiopien hat sich seit 2000 verdreifacht - mit freundlicher Unterstützung vonBill Clinton, Tony Blair, Bob Geldorf und Bono, berichtet Helen Epstein. Insgesamt hat Äthiopien seit 1991, dem Amtsantritt des Premierministers Meles Zenawi, 26 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe kassiert.


Und was ist das Ergebnis? Hunger.


Dabei hätte man es kommen sehen können. 1984, als Meles Zenawi noch mit seiner Tigrayan People's Liberation Front (TPLF) gegen Diktator Mengistu Haile Mariam kämpfte, brach in der Provinz Tigray eine große Hungersnot aus. "Weil Tigray unter Beschuss war, gründeten die Hilfswerke Stützpunkte im benachbarten Sudan. Sie übergaben der TPLF Nahrungsmittel, die an die hungernde Zivilbevölkerung verteilt werden sollten.



In einer BBC-Reportage vom März 2010 beschrieb ein ehemaliger Kämpfer der TPLF, wie er sich als sudanesischer Händler verkleidet hatte und Säcke mit 'Korn' - von denen viele nur Sand enthielten - an die Helfer verkaufte, die sie dann an andere TPLF-Kader weiterreichten, die sie wieder an die 'sudanesischen Händler' zurückgaben, die sie dann wieder an die Helfer verkauften usw. Auf diese Weise reistenSäcke mit Korn/Sand über die Grenze hin und her, während das Geld in die Taschen der TPLF floss."


Mittwoch, 21. April 2010

Vulkanische Spässe





Doch zumindest Nutzer von Twitter, der Internetplattform für Kurzmitteilungen, können über die Situation auch lachen: „Und ich dachte, die Isländer hätten gar keine Asche mehr ...“ („@Bohemianberlin“).

Oder wie „@function“ schreibt: „Eilmeldung: Die Isländer stellen den Vulkan erst wieder ab, wenn ihnen die Schulden erlassen werden.“

Dienstag, 20. April 2010

Lauter Verrisse

20.04.2010 03:30 Uhr Drucken
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Frau des Historikers Figes als Netz-Rezensentin enttarnt

Dass vielen Netz-Nutzern nicht bewusst ist, wie durchsichtig die virtuelle Anonymität des Internets sein kann, zeigt sich jetzt wieder im Fall von Stephanie Palmer. Sie ist die Ehefrau des britischen Russland-Experten Orlando Figes, der eine Geschichts-Professur am Londoner Birkbeck College innehat. Auf der britischen Website des Internet-Versandhauses Amazon hat Palmer, Jura-Dozentin in Cambrigde und Menschenrechtsanwältin, unter dem Pseudonym "Historian" die Bücher von Autoren attackiert, die sie als Konkurrenten ihres Mannes betrachtet.

So beschrieb sie jüngst "Molotov"s Magic Lantern", das neue Buch der Autorin Rachel Polonsky als "die Art Buch, von dem man nicht begreift, warum es je veröffentlicht wurde". Polonsky, die 2002 Orlando Figes Russland-Buch "Natasha"s Dance" kritisch besprochen hatte, schaute sich daraufhin andere Amazon-Besprechungen von "Historian" an. Dabei fand sie unter anderem auch einen Verriss der Autorin Kate Summerscale vom selben Netz-Rezensenten. Summerscale hatte 2008 den Samuel-Johnson-Sachbuchpreis gewonnen, für den Figes als Favorit gegolten hatte. "Was hat sich die Jury dabei bloß gedacht?", fragte "Historian".

Da sich die IP-Adresse des Computers, von dem aus die Verrisse gepostet wurden, mit der von Orlando Figes deckte, nahm Polonsky an, dieser habe sie selbst geschrieben. Figes wehrte sich zunächst mit Unterlassungsklagen gegen diese Unterstellung. Nun jedoch hat er bekannt gegeben, niemand anderes als seine Frau sei "Historian".

ALEXANDER MENDEN

Sonntag, 18. April 2010

Eine Internet-Story:

Gennadiy Ryklin ist zwanzig Jahre alt. Er studiert im Bundesstaat New York Psychologie. Der Sohn weißrussischer Einwanderer betreibt nebenher eine kleine Firma, die Werbeschaltflächen im Internet vermittelt. Im Juli 2009 bestellt er auf Ebay einen neuen Computermonitor bei der Firma Atech Services. Ryklin überweist sein Geld, hört aber kaum etwas von Atech Services. Bald fürchtet er, betrogen worden zu sein. Nach zwei Wochen schreibt er an Atech, er wolle sein Geld zurück. Er nennt den Besitzer von Atech "Arschhut".

Der beleidigte Besitzer heißt Adam Goldstein, und auf das letzte Schreiben antwortet er sofort. Er droht, er werde Ryklin verklagen wegen Beleidigung, das Geld werde er zur Deckung eventueller Prozesskosten vorerst einbehalten. Gennadiy Ryklin schreibt seine Geschichte daraufhin in das Forum Something Awful. Er bittet um Hilfe. Anonymous kriegen Wind von der Geschichte.

Über seine Firmenzulassung finden Anonymous Goldsteins persönliche Daten. Goldstein erhält zunächst Anrufe und E-Mails, in denen er bedroht wird. Dann werden seine Internetpräsenzen über automatisierte Daueraufrufe lahmgelegt, als Nächstes die Server seines Internetproviders. Ein Mitglied von Something Awful nimmt seinen eigenen Anruf bei Goldstein auf und stellt ihn ins Netz. Man hört Goldstein hysterisch schreien: "Ich habe hier mehr Waffen im Haus als auf einer Polizeistation. Die wollen meine Mutter vergewaltigen. Ich kriege ständig Anrufe und Faxe mit Hakenkreuzen, meine Internetseiten wurden lahmgelegt. Diese Leute werden alle verklagt werden. Die sitzen alle in Alaska."

Die Leute sitzen nicht alle in Alaska, sie sitzen überall auf der Welt und verstecken sich hinter falschen IP-Adressen. Anonymous bestellen bei den Pizzalieferanten der Umgebung ständig auf Goldsteins Namen. Sie füllen im Internet Tausende Formulare für den kostenlosen Versand des Korans aus auf seine Adresse, sie lassen ihm ständig leere UPS-Boxen zukommen. Aus einem vorbeifahrenden Auto werden tote Tiere auf sein Haus geworfen. Schließlich tauchen Aushänge mit Goldsteins Foto darauf in seiner Nachbarschaft auf: "Dieser Mann ist ein bekannter Päderast und lebt hier."

Gennadiy Ryklin bekommt am Ende einen Anruf von Goldstein. Er werde ihm sein Geld zurückgeben, wenn Ryklin auf Something Awful für ein Ende der Attacken plädiere. Ryklin sagt heute, es sei vielleicht ein bisschen weit gegangen. Aber Goldstein habe bekommen, was er verdient.

Dienstag, 13. April 2010

Wir haben es nicht verstanden...

Der Atem stockte vor kurzem einer kleinen Gruppe von Politikern, Bankiers und Journalisten, als Präsident Obamas Finanzberater Paul Volcker, ehemaliger Chef der amerikanischen Zentralbank, im Berliner Amtssitz von Horst Köhler einige Daten nannte, deren Unfassbarkeit den Irrsinn der internationalen Finanzspekulation auf den Begriff brachte: Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise vor anderthalb Jahren standen Krediten und Staatsanleihen in Höhe von sechs Billionen Dollar nicht weniger als nominal 63 Billionen Dollar Kreditausfallsversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS), gegenüber. Ein amerikanischer Bankier und Gesprächspartner Volckers erklärte treuherzig, „wir haben die Geschäfte mit den neuen Finanzprodukten nicht verstanden“. Sein eigenes Geschäft war ihm zum Rätsel geworden, sein Jahresbonus aber nicht (siehe Seite 98).

Sonntag, 11. April 2010

US-Forscher will aus Hühnern Dinosaurier züchten

(2)
Von Elke Binder 9. April 2010, 13:36 Uhr

Kein Scherz: Der renommierte US-amerikanische Paläontologe Jack Horner will Saurier wieder zum Leben erwecken. Allerdings nicht mithilfe von Millionen Jahre alter Riesenechsen-DNA. Der Forscher hat eine viel bessere Idee: Er will einfach die Evolution zurückdrehen – so soll aus einem Huhn ein Dinosaurier entstehen.

Zehn Wahrheiten von Max Raabe


"Reine Hallodris"

Pomade, Frack, Fliege: Max Raabe singt Couplets im Stil der Zwanziger mit derart ironischer Perfektion, dass selbst New York ihn feiert. SPIEGEL-Reporter Klaus Brinkbäumer sprach mit dem Sänger über melancholischen Humor, seine Kindheit auf dem Bauernhof - und einige leichtfüßige Verwandte.

Es schaffen nicht viele Deutsche, die Carnegie Hall zu erobern, den New Yorker Tempel der klassischen Musik mit seinem so verwöhnten wie dreisten Publikum. Max Raabe jedoch, geboren in Lünen und längst ein Berliner Star, kann das: Mit Liedern aus der Weimarer Zeit, lakonisch-sarkastischen Ansagen, sparsamen Bewegungen und darum selten cool schaffte er es auch bei seinem dritten Gastspiel, den Saal zu Lustschreien und Standing Ovations zu bringen. Bevor Raabe wieder Richtung Osten über den Atlantik flog und am 11. April in München seine Deutschland-Tournee beginnt, traf Klaus Brinkbäumer den Bariton zum Frühstück in einem Hotel am Times Square.

Warum kommunizieren Sie so sparsam mit Ihrem Publikum?

1. "Das ist nicht so anstrengend, es hilft, wenn man mal nicht mehr kann oder krank ist."

Er kichert. Dann:

"Man muss doch niemandem schön tun, man sollte nicht andienerisch auftreten, darum sage ich nicht ständig 'Danke schön'. Es liegt daran, dass mir dieses anbiederische 'Danke, vielen, vielen Dank' bei vielen Künstlern schwer auf die Nerven geht. Demut wird schnell inflationär. Ich denke dann immer: Die sollen gescheit singen, sich verbeugen und gehen. So hat sich die etwas unterkühlte, widerborstige Form entwickelt, mein gewisses Vergnügen an der Absurdität."

In seinen Konzerten lehnt Raabe am Flügel und hört den zwölf Musikern seines Palastorchesters zu, die Haare mit Pomade streng zurückgestrichen, er trägt Frack und weiße Fliege, wippt nicht, verdreht die Hände nicht, kein Zucken nirgends. Kommt sein Einsatz, macht er vier Schritte nach vorn, dann singt er; ist sein Einsatz vorbei, macht er sechs Schritte zurück und lehnt wieder am Flügel. Seine Stimme kann leicht sein und groß, sie kann trauern, und sie hat Humor. Raabe sagt, dass Frauen Männer dringend brauchten: "Um Champagnerflaschen zu öffnen und zum Erklären von Sachen." Und manchmal erzählt Raabe, mit schwerem deutschen Akzent, kleine Geschichten über Musik: "The German Waltz ist not as elegant as a Waltz from Vienna. But much louder."

Muss ein deutscher Sänger im Ausland ein guter Botschafter sein und zeigen, dass Deutsche auch lustig sein können?

2. "Nein, abgesehen davon, dass man es auf Reisen natürlich doch immer ist, auch in kurzen Hosen und Socken und Sandalen auf der Strandpromenade. Ich stelle mich als etwas Fremdländisches hin, das man bestaunen kann, ich bin nun mal als Ausländer unterwegs, darum spreche ich ein klein wenig übertrieben: mein überpointiertes Schulenglisch."

Sie singen Lieder aus der Weimarer Zeit, auf Ihrer neuen CD "Übers Meer" sammeln Sie ausschließlich Lieder von Emigranten. In New York hörten Ihnen viele Geflohene oder deren Kinder zu. Schuldet ein Berliner Sänger einem Publikum nicht erklärende Worte, ein paar Reflexionen, etwas Trost?

3. "Ich nenne die Namen der Komponisten und Texter, die sollen genannt werden, weil sie es verdienen. Ich habe es auch hier nicht gemacht, weil ich es nie mache, es ist eine Mischung aus Konsequenz und Feigheit; aber das Publikum ist ja nicht blöd, und es ist doch alles so offensichtlich. Ich konzentriere mich darum lieber darauf, mit Qualität zu unterhalten, denn das war ja musikalisch 1a, was damals komponiert worden ist, und die Texte transportieren einen melancholischen Humor, der alles sagt, was zu sagen ist."

Jüdischer Humor?

4. "Ich sage nicht gern 'jüdischer Humor', aber das trifft es dennoch: Der Humor der Ausgegrenzten ist flapsig, dreist und sehr ironisch."

Kommt Ihr Publikum hinterher zu Ihnen in die Garderobe, um seine Geschichten zu erzählen?

5. "Ja, hier in der Carnegie Hall wurde mir zum Beispiel ein Zettel zugesteckt, da stand, sinngemäß: 'Ich bin 1933 geboren, und meine Eltern haben meine Geburt folgendermaßen angezeigt: SIEGfried HEILberg. Das nannte der Völkische Beobachter damals eine jüdische Frechheit im Hinterland.' Dieser Zettel kam von einem Arzt, der seit vielen Jahren hier in Amerika lebt."


Max Raabe wuchs auf einem Bauernhof auf. Er sang im Kirchenchor, ging in ein katholisches Internat, er war 18 Jahre alt, als er sich auf den Weg nach Berlin machte. Er studierte an der Hochschule der Künste, die er als staatlich geprüfter Opernsänger verließ; eine Oper aber sang er nie, denn zusammen mit Kommilitonen hatte er das Palast Orchester gegründet und jene Lieder entdeckt, die er liebt. "Kein Schwein ruft mich an", von Raabe komponiert, machte ihn berühmt.

Wie wird man, was Sie wurden?

6. "Dank all der Zufälle, all der Begegnungen, aus denen irgendwann, wenn man Glück hat, ein Weg wird. Es war mir jedenfalls nicht vorbestimmt, und niemand hat mich geschoben. Als Kind hatte ich keine Helden, auch keine besonderen Träume. Ich habe halt Sachen zersägt, Baumbuden gebaut oder Seifenkisten. Wie es so ist auf dem Bauernhof. Ich war im Schulchor, im Kirchenchor, aber ich bin auch viel Fahrrad gefahren - ich hätte auch Radfahrer werden können. Meine Eltern haben mich nicht abgehalten, aber sie haben mich auch nicht gedrängt. Sie hatten halt die Sorge, dass die Musik eine brotlose Kunst sei. Was für ein schöner deutscher Begriff! Wie: die Füße unterm Tisch des Vaters! Oder: etwas Handfestes in der Hand haben."

Herkunft prägt?

7. "Herkunft prägt. Den Hof sollten mein Bruder und ich nie übernehmen, mein Vater musste ihn vorher seinem Bruder übergeben, weil mein Vater ihn wegen einer Kriegsverletzung nicht weiterführen konnte. Damit waren wir aus der Verantwortung. Aber natürlich bin ich trotzdem das glückliche Opfer einer bodenständigen Erziehung; ein Wort wie 'Stolz' ist uns allen fremd. Wir Raabes sind strebsam, wir sind ernst: Mein Studium habe ich nur für meine Mutter beendet. Damit sie Ruhe hat. Weil ich jetzt etwas Handfestes in der Hand habe."

Sind Sie der erste Ihrer Familie, der einen etwas anderen Weg gegangen ist?

8. "Beinahe, aber nicht ganz. Oma hat es auch immer nach Berlin gezogen, zur Grünen Woche. Normalerweise übernahmen die ersten Söhne den Hof, und die zweiten Söhne gingen zum Militär und zogen mit Degen und Pickelhaube in den Krieg. Es war der 1. Weltkrieg, das Regiment war etwas altmodisch, sie sind nicht weit gekommen. Aber es gab auch immer einen Opa Soundso und einen Onkel Sowieso, die Klavier gespielt und Schulden gemacht haben: reine Hallodris."

Wird irgendwann auch eine Bühne wie jene der Carnegie Hall Routine?

9. "Ganz bestimmt nicht, es gibt ja nichts, was darüber stünde. Irgendwann kennt man die Gänge und die Fotos all der Berühmten in der Garderobe und die Regeln, und irgendwann weiß man auch, wie kompliziert hier alles ist: Die amerikanischen Gewerkschaften sorgen dafür, dass unser Lichtmann nicht leuchten darf, er darf halt bloß neben einem Amerikaner sitzen und dem Amerikaner Anregungen geben. Diese Dinge weiß ich inzwischen. Aber ich kann ja kein Konzert mit halber Kraft singen, nirgendwo und in New York sowieso nicht, ein Erfolg von gestern zählt nichts."

Welche Bilder nehmen Sie von Ihrer Amerika-Tournee mit nach Deutschland?

10. "Es ist tragisch, in welchem Zustand einige Städte sind. Cleveland und andere. Die Theater, in denen wir aufgetreten sind, glänzten noch, da war Chrom, alles piccobello - aber drumherum waren die Wände vernagelt, alles war marode, ganze Straßen standen leer. Es tat gut, am Ende die Lichter New Yorks zu sehen."

Musik sei immer aufs Engste mit Schicksal und persönlichen Tragödien verbunden gewesen, das sagte Max Raabe auf der Carnegie-Bühne, dann machte er eine Kunstpause, guckte hinab auf das New Yorker Publikum und fragte: "Who cares?"