DIE RABENSCHWARZE SEITE

Mittwoch, 10. März 2010

Einen aus einer Milliarde ausfindig machen...

Im Magazine erzählt uns Tom Downey was über Chinas Cybertrupps und ihre human-flesh search. Das bedeutet nicht Suche nach Menschenfleisch, sondern Suche durch Menschenfleisch. Und das funktioniert so: Eine Frau stellte in China ein Video online, auf dem sie mit spitzen Stilettos eine kleine Katze tot tritt. Darüber empörte sich die Netzgemeinde in einem großen Onlineforum derart, dass sie beschließt, gemeinsam die Mörderin ausfindig zu machen. "Ein Netizen namens Beacon Bridge No Return fand den ersten Hinweis im Katzenmörder-Fall. 'Es gab eine Credit-Information vor der Zerquetschung, www.crushworld.net', schrieb der Leser. Netizens verfolgten die Email-Adresse der Seite zurück zu einem Server in Hangzhou, einige Stunden von Schanghai entfernt. Ein nachfolgender Eintrag beschäftigte sich mit der Örtlichkeit im Video: 'Kennen Leser aus Hangzhou diesen Ort?' Anwohner berichtet, dass es in ihrer Stadt keinen solchen Ort gebe wie im Video gezeigt. Aber die Netizens rechercherierten weiter, überzeugt, dass sie die Person in einer Nation von über einer Milliarde Einwohnern finden würden. Und sie hatten recht. Die traditionellen Medien griffen die Geschichte auf und Menschen in ganz China sahen das Foto der Katzenmörderin im Fernsehen. 'Ich kenne diese Frau', schrieb I'm Not Desert Angel vier Tage später. 'Sie ist nicht aus Hangzhou. Sie lebt in meiner Kleinstadt in Nordosten Chinas. Himmel, sie ist eine Krankenschwester. Das ist alles, was ich sagen kann.'" Sechs Tage später waren Ort und Frau identifiziert, ihr Name, ihre Telefonnummer und ihr Arbeitgeber öffentlich gemacht und sie und ihr Kameramann gefeuert. "Der Katzenmörder-Fall hat nicht nur Rache gebracht; er hat die Suchmaschine aus Menschenfleisch in ein nationales Phänomen verwandelt." Mit Folgen, die Tom Downey detailliert beschreibt.