DIE RABENSCHWARZE SEITE

Mittwoch, 17. Februar 2010

Freiheitskämpfer oder Terroristen

The New Statesman (Großbritannien), 12.02.2010

Bild zum ArtikelMit dem Titel "Alles, was Sie über den Islam wissen, ist falsch" will die linksliberale Zeitschrift dem Publikum die Angst vor dem Islam nehmen. Einer der Autoren ist der Reformprediger Tariq Ramadan, der sich die Fragestellt, was ein "gemäßigter Muslim" eigentlich sei, und zu dem Ergebnis kommt, dass schon der Begriff "irreführend" sei. Eines seiner Argumente: "Ich glaube, dass die Frage politischer Mäßigung oft subjektiv ist. Das afghanische Beispiel liegt auf der Hand: Dieselben Leute, die vor zwei Jahrzehnten als 'Freiheitskämpfer' gegen die sowjetischen Invasoren gefeiert wurden, beschreibt man heute als 'Terroristen' wenn sie sich der anglo-amerikanischen Besetzung ihres Landes widersetzen. Und jedermann wird natürlich terroristische Akte gegen Zivilisten in New York, Rabat, Bali, Amman, Madrid und London verurteilen, aber wie soll man die Widerstandbewegungen im Irak, in Afghanistan oder Palästina beschreiben, die gegen die von ihnen als illegal und illegetim verstandenen Besatzungen kämpfen?"

Mittwoch, 10. Februar 2010

Der Kunde ist König? Nein, die Sekretärin ist Königin!

Kolumne

„Herr Mürb kommt, wenn er Zeit für Sie hat!“

Von Georg M. Oswald

Zuerst war es Mürb gar nicht aufgefallen. Er war so stolz darauf, zum ersten Mal in seinem Berufsleben eine eigene Sekretärin zu haben. Und noch dazu eine gute! Frau Stoß war fleißig, pünktlich, zuverlässig. Die Arbeiten, die er ihr auftrug, erledigte sie schnell und ordentlich. Seine Diktate schrieb sie fehlerlos, seine Termine verwaltete sie gewissenhaft. Sie war nicht zu hübsch, um Frau Mürbs Argwohn zu erregen. Eine Weile dachte Mürb, die Personalabteilung habe es wirklich gut mit ihm gemeint, bis es ihm auffiel.

„Wie?“ „Was?“ „Bleiben Sie da stehen! Herr Mürb kommt, wenn er Zeit für Sie hat!“

Immer wenn er sie sprechen hörte, formulierte er im Stillen für sich: „Wie bitte?“ „Was kann ich für Sie tun?“ „Einen Augenblick bitte, Herr Mürb ist sofort bei Ihnen.“ Wenn Sie sich am Telefon meldete, sagte sie: „Büro Mürb. Sie sprechen mit Stoß!“ Es klang wie die Androhung einer Tracht Prügel. Wenn er es hörte, murmelte Mürb vor sich hin: „Hier Stoß, guten Tag, Büro von Herrn Mürb, wie kann ich Ihnen helfen?“

So ging es nicht weiter. Einfacher wäre es gewesen, Frau Stoß auf Schreibfehler, eine Verwechslung im Terminkalender hinzuweisen. Aber Mürb appellierte an seine Führungsverantwortung. Wenn es nicht anders ging, musste man eben auch einmal Dinge ansprechen, die eher das Atmosphärische betrafen. Mürb wartete eine Gelegenheit ab und sagte zu ihr: „Frau Stoß, ich schätze Ihre Arbeit sehr, aber ich finde, sie müssen freundlicher mit unseren Kunden umgehen. Immerhin sind sie es, die uns bezahlen.“ Frau Stoß sah ihn verblüfft an, so als müsse sie sich einen Augenblick lang neu orientieren. Sie kommentierte nicht, was er gesagt hatte, sondern fragte nur: „Noch was?“ „Äh, wie bitte? Nein, nein, danke“, stammelte Mürb.

Später sah er Frau Stoß heimlich weinend an ihrem Arbeitsplatz sitzen. Sie hatte offensichtlich überhaupt nicht verstanden, was er meinte. In den folgenden Tagen zeigte sie sich in ihrer Arbeit besonders bemüht. Mürb bereute seine Direktheit. Vielleicht war es nicht immer das Beste, „Probleme offen anzusprechen“. Er nahm sich vor, Frau Stoß Freundlichkeit vorzuleben, sie in der Situation daran zu erinnern. Kunden kamen. Er hörte Frau Stoß sprechen. „Wie?“ „Was?“ „Bleiben Sie da stehen! Herr Mürb kommt, wenn er Zeit für Sie hat!“

Sie kam in sein Zimmer, um den Besuch anzumelden: „Ihr Termin!“

„Bitte! Frau Stoß. Bitte!“

„Wie?“

„Bitte!“

„Was?“

„Ach, nichts, nichts, danke!“

Sie nickte und ging wortlos zurück an ihren Platz.

Die Wahrheit über Arbeitszeugnisse

Kolumne

Die Tücken der Zeugnissprache

Von Georg M. Oswald


Mosch wusste, wie es um die Wahrheit in Zeugnissen stand. Man konnte ihnen niemals trauen. Selbst Anrufe bei vorherigen Arbeitgebern brachten häufig keine Klarheit. „Er hat sich bemüht“, hieß es da. Eigentlich ja etwas Schönes, wenn sich jemand Mühe gab, aber wie jeder wusste, bedeutete das: „Er war zu nichts zu gebrauchen.“

Unzufriedenheit wurde ausgedrückt, indem man bestätigte, jemand habe „zu unserer Zufriedenheit“ gearbeitet. War jemand „tüchtig und wusste sich positiv darzustellen“, konnte das heißen, er sei ein Wichtigtuer. „Sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern war stets einwandfrei“ konnte bedeuten, gegenüber Vorgesetzten habe er sich schon mal im Ton vergriffen. „Er galt im Kollegenkreis als beliebter Mitarbeiter“ sprach dafür, dass ihm die Geselligkeit über die Arbeit ging. Wurde seine Sorge ums „Betriebsklima“ erwähnt, spiegelte das die Sorge seines früheren Arbeitgebers um seinen Alkoholkonsum wider. „Er war fleißig und hat die ihm gemäßen Aufgaben zuverlässig bearbeitet“ hieß: Er war faul und hat sich nur an einfache Beschäftigungen gewagt. Und so weiter.

Es gab unzählige solcher Formulierungen, und immer, wenn es das Zeugnis eines neuen Bewerbers zu bewerten galt, beugten sich Mosch und seine Kollegen darüber und wägten und überlegten, und Mosch murmelte vor sich hin: „Du musst verstehn! Aus eins mach zehn, und zwei lass gehn ...“ So kam es, dass er eher irritiert war, als er in der Bewerbungsmappe neben dem Zeugnis auch noch den Abschiedsbrief des vorhergehenden Arbeitgebers fand. Oberflächlich gelesen war der Brief eine Huldigung an diese Frau, die offenbar eine Traummitarbeiterin gewesen war. Nur: Warum musste sie dann ihre Stelle wechseln? „Stets gut gelaunt“ hieß es da. Bedeutete das in Wirklichkeit: starke Stimmungsschwankungen? „Sie waren eine Bereicherung für unser Team.“ Ohne Sie hätten wir in Ruhe arbeiten können. „Sie haben Ihre Arbeit in all den Jahren großartig gemacht.“ Kaum zu glauben, dass jemand nach so langer Zeit immer noch nicht weiß, wie's geht. „Wir lassen Sie ungern gehen.“ Endlich haben Sie es eingesehen. „Wir werden Sie vermissen.“ Ja! Wir sind Sie los! „Wir haben gern mit Ihnen zusammengearbeitet.“ Es war eine Strafe! „Wir haben Sie sehr geschätzt.“ Niemand konnte Sie je leiden! „Und vergessen Sie nicht, uns hin und wieder zu besuchen.“ Mosch war sich sicher, das konnte nur bedeuten: „Lassen Sie sich bloß nie wieder sehen!“

Er sagte der Bewerberin ab und formulierte: „Wir bitten Sie, in dieser Absage keine negative Bewertung Ihrer Fähigkeiten zu sehen.“

Überall die blitzblanken Autos auf den Straßen des ölreichen Landes – wer in OMAN im Schmuddelwagen herumfährt, zahlt zehn Euro Strafe.

Kräftigt die Geselligkeit das Immunsystem?

Geniale neue Forschungsergebnisse:

Einen zuverlässigeren Erkältungsschutz bietet ausgerechnet die Geselligkeit, obwohl sie zum regen Keimaustausch beiträgt. Amerikanische Forscher kommen in einer Studie an 334 Freiwilligen zu dem Schluss: Wer viele soziale Kontakte pflegt, holt sich nur selten eine Infektion der Atemwege, während sie bei introvertierten und zurückgezogenen Menschen öfter und stärker ausbricht.

Kräftigt die Geselligkeit das Immunsystem?

(Ja, wie man sich das wohl erklären mag?)

„Dafür konnten wir keine stichhaltigen Beweise finden“, betont Studienleiter Sheldon Cohen. Seine Vermutung: Die Fähigkeit zur Abwehr von Infekten liegt auf den gleichen Genen wie die Fähigkeit zum sozialen Kontakt.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Ehrgeizige Mutter trieb ihn zum Training

Hans-Jürgen Bäumler


Hamburg (AP)

. Hans Jürgen Bäumler, der in den 50er und 60er Jahren mit Marika Kilius Erfolge als Eiskunstlauf-Paar feierte, macht seiner vor vier Jahren gestorbenen Mutter schwere Vorwürfe. "Für meine Karriere hat sie sich interessiert, für mich nicht", sagte der Schauspieler, der am Samstag 64 Jahre alt geworden ist, bei der Aufzeichnung der ARD-Sendung "Beckmann" für Montagabend. "Unsere Mütter waren gnadenlose Eislaufmütter. Wenn was nicht klappte, gab es Zoff bis hin zu Handgreiflichkeiten", sagte Bäumler. "Ich hatte nie jemanden, der gefragt hätte, wie es meiner Seele geht." Sie habe sogar seine Gesundheit riskiert. "Wenn ich krank war und Fieber hatte, hieß es: 'Gut, dann brauchst du dich nicht warm laufen. Wir fangen an'." Auf verschleppte Infekte führt Bäumler auch seine Herzklappenoperation im März 2005 zurück.

Dienstag, 2. Februar 2010

Montag, 1. Februar 2010

Von Amts wegen peinlich

Als Hinrich Lührssen vor einiger Zeit in einer Satzung der Stadt Ibbenbüren auf den Begriff "nicht lebende Einfriedung" stieß, war die Idee zu einem Bestseller geboren. "Um diesen Begriff zu klären, war ich im Behördenhaus: Erst im Bauamt, dann im Grünflächenamt, im Straßenbauamt und in der Straßenverkehrsbehörde. Keiner konnte den Begriff übersetzen", sagt der 51-jährige Fernsehjournalist.


Erst der Leiter des Ibbenbürener Tiefbauamts konnte Lührssen nach einem Blick in die Akten aufklären: Eine "nicht lebende Einfriedung" ist ganz einfach ein Zaun. Bei der Gelegenheit lernte Lührssen auch gleich, dass es eine lebende Form der Einfriedung gibt: Die Hecke.

Eine Menge Peinliches, unnötig Unverständliches hat er für sein Nachschlagewerk zutage gefördert. So benutzen manche Behörden das Wort "Lautraum" für eine Diskothek.

Unter "Beelterung" sollte der Bürger die Vermittlung eines Kindes in eine Pflegefamilie verstehen, während die "Herkunftsmutter" die leibliche Mutter ist.

Eine "Lebensberechtigungsbescheinigung" gibt es nicht für Menschen, sondern es handelt sich um das Stammbuch bei Hundezüchtern.