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Sonntag, 20. Dezember 2009

Mozart und der Papst - aus einem Interview

Liminski: Das Jahr 2009 markiert eine Wende im Verhältnis der Deutschen zum Papst. Hat sich dieses Verhältnis nachhaltig verändert?

Meisner: Ich kann das nicht ganz beurteilen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich vom Konklave zurückkam - es war ein großer Gottesdienst im Kölner Dom, ich glaube, mit 800 Sängerinnen und Sängern. Die haben die Krönungsmesse von Mozart gesungen, weil ich ja den Papst immer definiert habe: Er ist der theologische Mozart, seine Theologie ist so klar und so schön, weil sie so überzeugend ist. Und dann habe ich gesagt: Ich kann mich noch gut erinnern, als Johannes Paul II. zum Papst gewählt worden ist. Bei der Abschiedsaudienz in der Audienzhalle in Rom: Vor den polnischen Pilgern hat der polnische Primas gesagt: "Heiliger Vater, wenn wir jetzt nach Hause kommen, dann werden wir niederknien und Löcher in die Steine beten für Dich, dass Du Dein schweres Amt mit der Gnade Gottes hier zum Heile der Menschen vollziehen kannst."

Und dann habe ich gesagt bei dieser Predigt: Wird sich der Papst, der aus Deutschland kommt, auf uns deutsche Christen in der gleichen Weise verlassen können? Da sind alle Besucher des Domes - es waren ein paar tausend Menschen - aufgesprungen und haben Beifall gespendet. Da dachte ich: Gott sei Dank. Und ich muss sagen, wenn ich in Rom bin - das geschieht oft, da fragen mich die Kardinäle aus aller Welt: Was ist denn mit Euch Deutschen los? Ich muss die Erfahrung machen: Der Papst wird hoch geachtet und geliebt in aller Welt. Und in Deutschland? Ich schäme mich oft. Ich kann oft gar nichts entgegnen, aber ich habe den Verdacht - ich habe den berechtigten Verdacht -: Die Kreise, die ihm widersprochen haben als Theologieprofessor und später als Präfekt, die sind nach einigen Jahren, in denen sie sich nicht getraut haben, hervorgekommen, und seit diesem Jahr schlagen die auf den Papst ein, dass man sich als Deutscher wirklich schämen muss.