DIE RABENSCHWARZE SEITE

Dienstag, 8. Dezember 2009

Die eigene Gemeinheit in der Kunst wiedergespiegelt

James Panero findet eine wenig menschenfreundliche Antwort auf die Frage, warum die spekulative Blase bei Pop Art auf Teufel komm raus nicht platzen will - ein Gemälde von Andy Warhol mit der Abbildung von zweihundert Ein-Dollar-Noten brachte bei Sotheby's am 11. November 43 Millionen Dollar.


Paneros Theorie: Gerade Pop-Art-Künstler wie Warhol schafften es, Kenner und Kritiker als Instanzen des Kunsturteils auszuschalten und neureiche Sammler an ihre Stelle zu setzen: "Gerade eine Kunst mit ungewissem inneren Wert erwies sich als geeignetste für die Manipulation des Marktes. Eine Kunst mit kräftigen Zoten über Billigkeit oder Tod schoss preislich nach oben, während traditionellere Arbeiten, die Jahre visueller Kontemplation brauchten, um die Komplexität ihrer formalen Qualitäten zu erschließen, keineswegs die gleiche Entwicklung nach oben vollzogen."


Und die Museen spielen mit: "Kuratoren verteidigen solch teure Gegenwartskunst, weil sie den Kommerzialismus des Zeitalter widerspiegele: Der Markt gibt der Kunst Bedeutung. Durch die Käufe der Museen können sich internationale Sammler als Mitglieder im Club des Marktexzesses fühlen. Das Publikum fühlt sich dann von dieser Kunst angezogen, weil es seine eigene Gemeinheit darin bestätigt sieht - eine Haltung, deren Gültigkeit ihm wiederum durch die Kunst beteuert wird."