DIE RABENSCHWARZE SEITE

Sonntag, 27. Dezember 2009

Gletscher - Beerdigungsfeier


Nachwuchsautor und Zeitschriftengründer Benjamin Kunkel berichtet von einer Reise nach Patagonien. Auch einen der berühmten Gletscher der Gegend hat er besucht: "Jeder spricht mit Flüsterstimme, wie in einem Museum. Gletscher besuchen, das hat heutzutage etwas von Beerdigungsfeier. Nachdem wieder ein Riesenvorhang aus Eis in die Bucht geplumpst ist und eine Fontäne mit eiskaltem Wass ausgelöst hat, sagt in einer Gruppe von zwanzig Personen kein Mensch ein Wort. Der kalbende Gletscher macht einen Lärm wie eine Artiellerieattacke..."

Sonntag, 20. Dezember 2009

Mozart und der Papst - aus einem Interview

Liminski: Das Jahr 2009 markiert eine Wende im Verhältnis der Deutschen zum Papst. Hat sich dieses Verhältnis nachhaltig verändert?

Meisner: Ich kann das nicht ganz beurteilen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich vom Konklave zurückkam - es war ein großer Gottesdienst im Kölner Dom, ich glaube, mit 800 Sängerinnen und Sängern. Die haben die Krönungsmesse von Mozart gesungen, weil ich ja den Papst immer definiert habe: Er ist der theologische Mozart, seine Theologie ist so klar und so schön, weil sie so überzeugend ist. Und dann habe ich gesagt: Ich kann mich noch gut erinnern, als Johannes Paul II. zum Papst gewählt worden ist. Bei der Abschiedsaudienz in der Audienzhalle in Rom: Vor den polnischen Pilgern hat der polnische Primas gesagt: "Heiliger Vater, wenn wir jetzt nach Hause kommen, dann werden wir niederknien und Löcher in die Steine beten für Dich, dass Du Dein schweres Amt mit der Gnade Gottes hier zum Heile der Menschen vollziehen kannst."

Und dann habe ich gesagt bei dieser Predigt: Wird sich der Papst, der aus Deutschland kommt, auf uns deutsche Christen in der gleichen Weise verlassen können? Da sind alle Besucher des Domes - es waren ein paar tausend Menschen - aufgesprungen und haben Beifall gespendet. Da dachte ich: Gott sei Dank. Und ich muss sagen, wenn ich in Rom bin - das geschieht oft, da fragen mich die Kardinäle aus aller Welt: Was ist denn mit Euch Deutschen los? Ich muss die Erfahrung machen: Der Papst wird hoch geachtet und geliebt in aller Welt. Und in Deutschland? Ich schäme mich oft. Ich kann oft gar nichts entgegnen, aber ich habe den Verdacht - ich habe den berechtigten Verdacht -: Die Kreise, die ihm widersprochen haben als Theologieprofessor und später als Präfekt, die sind nach einigen Jahren, in denen sie sich nicht getraut haben, hervorgekommen, und seit diesem Jahr schlagen die auf den Papst ein, dass man sich als Deutscher wirklich schämen muss.

Mein Auto - mein Freund

PSYCHOLOGIE

Einsame Menschen geben ihren Autos Namen

(12)
VON DORIS MARSZK22. Januar 2008, 11:03 Uhr

Je einsamer ein Mensch, desto eher vermenschlicht er Gegenstände – wie beispielsweise sein Auto. Doch das ist nicht der einzige Gegenstand, der als Ersatz für menschliche Kontakte und Zuneigung infrage kommt. Psychologen finden das unbedenklich, denn Einsamkeit schadet mehr als Rauchen.

Foto: pa

Tazro Nascino putzt einen Pkw, der im Wohnzimmer des zweiten Stockwerks eines Wohnhauses geparkt ist. Mit der Kunstaktion will er ein Thema aufgreifen, das uns besonders am Herzen liegt, nämlich das Auto. Psychologen haben belegt, dass besonders einsame Menschen ihr Auto vermenschnlichen

KOMMENTARE

22.01.2008,
12:49 Uhr
Euer Merkwürden sagt:
Also, mein erstes Auto hieß "französische Dreckskarre", obwohl ich nicht einsam war.
Mein zweiter Wagen (Audi 100) hieß Säufer, weil er immer so viel geschluckt hat. Aber auch zu dem Zeitpunkt war ich nicht einsam.

irgendwas stimmt an dem Artikel nicht...
jörg sagt:
Mein Auto heisst "Klaus-Uwe", mein Fahrrad "Heinz-Theo", mein Kontrabass "Bärbel" , meine Kaffeemaschine "Ann-Kathrin" und meine Freundin "Susi".

Samstag, 19. Dezember 2009

"Achtung: Bügeleisen sind heiß!"

Bob Jones rauft sich dennoch die Haare. In seiner Kiste liegt ein Feuermelder. "Auf der Gebrauchsanweisung heißt es wörtlich", sagt er, "dass das Drücken des Batterie-Test-Knopfs kein Feuer löscht.“ Dann zückt er einen Schienbeinschützer. "Und hier, dass dieses Ding nur Körperteile schützt, die es tatsächlich abdeckt. Als würde ein Schienbeinschützer zudem auch noch Deinen Kopf behüten!" Ein Scherzartikel noch, dann ist der Korb geleert: Eine Cornflakes-Packung mit integriertem Bügel-Bildchen. "Achtung: Bügeleisen sind heiß", steht darunter. "Nicht auf Ihr T-Shirt bügeln, während sie dieses tragen!"

Sonntag, 13. Dezember 2009

“Letzte Lieder”, eine Biographie von Georg Kreisler

Letzte Lieder, Arche, 156 Seiten, ISBN 978-3-7160-2613-7


Georg Kreisler hat nun, 87jährig, seine Biographie mit dem Titel „Letzte Lieder“ vorgelegt. Mit ihr ist er auch derzeit noch einmal mit einer Lese-Tournee unterwegs. Vor vier Jahren gab es schon einmal eine, doch diese stammt aus der eigenen Feder. Man könnte sie auch als „Essayistische Lebenserinnerungen“ bezeichnen. Eine längere Beschreibung seines Lebens kann ich mir an dieser Stelle ersparen, denn im obigen Link ist ja alles gesagt.

Doch hier ein paar Zitate aus dem aktuellen Buch:

Hätte ich einen Manager, müsste ich ihn bekämpfen.


Ich glaube nicht, dass ich mir sympathisch wäre, wenn ich mich auf einer Cocktailparty träfe.


Die Alibis, die die Gerichte ausspucken, böse Kindheit, falsche Erziehung, Gene, Leidenschaften, sind Unsinn. Der Mensch ist frei.


Ein Künstler wird auch unter widrigsten Umständen künstlerisch bleiben, wenn man ihn lässt. Aber man lässt ihn eben nicht. Möglicherweise macht mich so ein Standpunkt in den Augen der anderen schwierig, aber für mich sind die Leute, die sich fügen, schwierig.


Die einsamen Kommunistinnen, die ich traf, litten unter Schuppenflechte und dergleichen…Henry Kissinger, den ich als Soldat kurz kennengelernt hatte und seinesgleichen, waren anders, professionelle Alleswisser, die durch Andersdenken aus der Ruhe gebracht wurden. Sie erkannten ihre Feinde und schlugen sie freundlich tot. Politiker diskutieren ungern, so wie Marx kein Vielleicht duldet.


Religion ist Zeitvertreib, der Glaube an Gott ist es nicht. Zu leugnen, dass es einen Gott gibt, ist vor allem unglaublich arrogant, denn es bedeutet, dass alles, was über unseren Horizont geht, nicht existiert.


In Wien habe ich oft an Selbstmord gedacht, und eine Zeit war ich dem Psychiater Erwin Ringel befreundet, der sich auf Selbstmörder spezialisiert hatte. Er konzentrierte sich auf Menschen, die eventuell Selbstmord begehen wollten, während ich mich für solche interessierte, die bereits Selbstmord begangen hatten.


Künstler bleiben melancholisch, alle anderen heiter…Die Kunst fordert den ganzen Menschen, und ihr Lohn ist Erkenntnis und Einsamkeit…Auch Nietzsche war damals einsam und ist einsam geblieben…Ich gestehe, dass ich immer wieder Goethe, Heine, Nietzsche lese, weil ich nichts anderes finde, ich vertrage nicht mehr soviel Unsinn wie früher.


Ich glaube, wir leben in einer Kunstpause….es ist generell eine trostlose Zeit für lebende Künstler. Vor allem sucht man sie nicht, solange die Verkaufszahlen der Dilettanten stimmen.


In Amerika gibt es weniger Intrigen und Neid, da dort die Künstler nicht verbeamten…Es ist ja nicht schwer, ein Theater zu führen, solange es in den Händen der Regierung bleibt. Wotan mit Aktentasche, Romeo ist schwul, Othello findet im Boxring statt, Zauberflöte im Zirkus, Hamlet im Schwimmbad, da ist die Kunst frei, wenn auch tot, und alles sind glücklich - bis auf das Publikum….


Als ich einem Journalisten erzählte, dass ich im 2. Weltkrieg einige Spitzennazis wie Göring, Streicher und Kaltenbrunner kennengelernt hatte, fragte er mich, ob ich diese Verbrecher gehasst hätte. Nein, antwortete ich, ich habe sie nicht gehasst, es hat mich ihnen geekelt. Seltsamerweise und ohne Vergleiche ziehen zu wollen, befällt mich ein ähnlicher Ekel, wenn ich an diese heutigen Theatermacher denke.


Wenn man Pop-, Rock-, Hip-Hop- und andere billige Musik verbieten würde, gleichzeitig alle Kitschliteratur und Kitschbilder, würden die Menschen genauso gern echte Kunst genießen und es wäre eine ungeheure Bereicherung…Fantasie ist vorhanden, aber das handwerkliche Können fehlt.

Um zu wirken, braucht diese Musik Showeffekte wie Tanz, Lichtwechsel, Möbelzertrümmerung, Publikumsgeschrei, und erst dann kann man ihr gelegentlich zuhören. Wenn man sie nur auf einer CD erlebt, empfiehlt sich gleichzeitiges Autofahren, Joggen oder Geschirrspülen.


Gewiss gibt es hervorragende Künstler, die hat es zu allen Zeiten gegeben, aber sie kommen kaum zu Wort. Zu Wort kommen diejenigen, die nicht Kunst produzieren, sondern ihre persönlichen Karrieren…Diese „Künstler „ bekommen dann auch gute Kritiken, denn vom Dilettantismus verstehen die Kritiker viel…Schließlich verwahrlost das Publikum, und die Gesellschaft verroht, Anzeichen gibt es heute genug…Die Welt wird ärmer, die Künstler ziehen sich zurück, werden immer fremder, und auf allen Seiten entsteht Hass.


Der Stolz auf die eigene Arbeit geht leider in Europa allmählich verloren…

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Der liebe Herr Bernhard


VON ULRICH WEINZIERL






12. Dezember 2009, 04:00 Uhr

... und sein Briefwechsel mit seinem Verleger Siegfried Unseld

Es glich, nach jahrzehntelangem Ringen, einer schriftlichen Kapitulation. Am 24. November 1988 schickte Siegfried Unseld dem "lieben Herrn Bernhard" ein Telegramm: "Für mich ist eine schmerzgrenze nicht nur erreicht, sie ist ueberschritten." Statt herzlicher Grüßen das Eingeständnis totaler Erschöpfung: "Ich kann nicht mehr." Der "liebe Herr Bernhard" erwiderte trocken: "Dann streichen Sie mich aus Ihrem Verlag und aus Ihrem Gedächtnis. Ich war sicher einer der unkompliziertesten Autoren, die sie jemals gehabt haben." Stammte solche Behauptung nicht von einem Todgeweihten, müsste darob das gute alte "homerische", ein nicht enden wollendes Gelächter erschallen. Doch noch war das Schlusswort in dieser Beziehung nicht gesprochen.

...

Selbstverständlich ist Unseld kein reiner Mäzen und Säulenheiliger des L'art pour l'art gewesen, sondern vor allem ein glänzender, ein gerissener Geschäftsmann, ein visionärer Stratege der Branche.

Verglichen mit dem vermeintlich in anderen Sphären schwebenden Sprachkünstler Bernhard war er jedoch nichts als ein begabter Anfänger. Denn der Schriftsteller verfügte, auch und gerade in Gelddingen, über eine wahrlich grandiose Unverschämtheit: Seine urösterreichische Chuzpe entbehrte nicht der Grandezza, er taktierte unermüdlich, bis er seine Wünsche - oft durch sanfte Erpressung - durchgesetzt hatte. Schon bei der ersten Begegnung, Ende Januar 1965, in Unselds Frankfurter Haus, hatte er ihm, der krank war und fieberte, einen Vorschuss von nicht weniger als 40 000 Mark entlockt - ...

Und gleich zu Beginn wurde der Verleger belehrt: "In die Poesie gehört die Ökonomie, in die Fantasie die Realität, in das Schöne das Grausame, Hässliche, Fürchterliche hineingemischt." Eine in der Tat bekömmliche Mixtur.

...

"Ich mag Sie halt sehr!", bekannte Siegfried Unseld im Februar 1972. Und: "Dieser Satz wird für die Verlagskopien gestrichen, er geht außer uns schließlich niemand etwas an."

...

Bernhards Schimpfkanonaden sind außerordentlich unterhaltsam. In München etwa wäre er 1973 am liebsten auf die Bühne gesprungen und "hätte diese niederträchtigen Lemuren von größenwahnsinnigen Schauspielern eigenhändig umgebracht, nicht ohne vorher dem so genannten Regisseur tödliche Ohrfeigen versetzt zu haben. Dieses deutsche Theater, lieber Doktor Unseld, nimmt doch das Maul bis zur Ungeheuerlichkeit voll, während es doch nicht das geringste Hirn hat."


Vom Unternehmen Suhrkamp fühlte er sich grundsätzlich im Stich gelassen. Mit beträchtlicher Hingabe intrigierte er beim Chef gegen leitende Angestellte. Die Ausnahme bildete Unselds engste Mitarbeiterin, dessen Sekretärin Burgel Zeeh, der er blind vertraute. Offenkundig beschwerte er sich auch um der Beschwerde willen. Eben das machte und macht ihn, für ungefährdete Außenstehende, amüsant.

...

Es ist nun mal so Sitte: Jeder bedeutende Literat hält seine Kollegen für unbedeutend und überschätzt. Diesem Brauch huldigte Thomas Bernhard hemmungslos. Dass Unseld gegen Thomas Bernhards Erstes Gebot ("Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!") verstieß, versteht sich von selbst. Als Großverleger hatte er nicht bloß eine Primadonna zu betreuen. Insbesondere, polterte Bernhard in einem vorsichtshalber dann doch nicht abgeschickten Eifersuchtsbrief, habe Suhrkamp den "absoluten Kleinbürgerschmarren von Martin Walser" in der Werbung weit über Gebühr bevorzugt: "Sie haben in meinen Rolls-Royce nur einen Liter Normalbenzin gegossen und ihn stehen lassen, während Sie in den Opel-Kadett Ihres Freundes vier bis fünf Zusatztanks haben einbauen und mit Superbenzin haben anfüllen lassen." Bei Autos kannte sich der Herrenfahrer des Lebens Thomas Bernhard aus: Dieser Tage wurde auf Ebay sein zuletzt erworbenes Fahrzeug, ein Geländewagen ausgerechnet des Typs "Samurai", als Reliquie für 30 000 Euro verkauft: das Sechsfache des realen Werts. Bernhard hätte seine Freude gehabt.

...

Thomas Bernhard, Siegfried Unseld: Briefwechsel. Hrsg. von Raimund Fellinger ed. al. Suhrkamp, Frankfurt/M. 869 S., 39,80 Euro.

Georg Kreislers Autobiographie „Letzte Lieder“

Aus Georg Kreislers Autobiographie „Letzte Lieder“

Ob ich selbst Kinder habe, ist eigentlich auch eine Frage. Mein erster Sohn wurde mir im Alter von acht Jahren mit Gewalt von der Mutter weggenommen und dann mit richterlicher Erlaubnis von mir ferngehalten. Acht Jahre lang waren wir sehr fröhlich miteinander gewesen, aber das scheint er vergessen zu haben, was ich ihm nicht übel nehmen kann. Er blieb verschollen.
Auch mein zweiter Sohn war ein fröhliches Kind; erst als Erwachsener entschloss er sich zur Flucht vor mir. Die Gründe dafür sind mir unbekannt, und wenn er meint, sie zu kennen, irrt er sich. Dasselbe gilt für meine Tochter. Ich glaube, ich sollte dankbar sein, denn sie waren reizende Kinder. Aber Kinder sind zerbrechliche Geduldspiele, die meisten Eltern spielen sie gern, und manche Kinder helfen ihnen dabei, andere nicht.
Natürlich braucht man Lehrer, wenn man sie haben will. Auch mein Vater war mein Lehrer, aber ich entschied selbst, was ich von ihm lernen wollte. Eine Zeit lang glaubte ich bedingungslos jedes Wort, das von seinen Lippen kam, und er glaubte mir nichts. Aber ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, denn sie mühten sich redlich. Arnold Schönberg schrieb an Karl Kraus: „Ich habe von Ihnen vielleicht mehr gelernt, als man lernen darf, wenn man noch selbstständig bleiben will.“

Freitag, 11. Dezember 2009

Heute wird man auch schon übers Fernsehen PROFESSOR

Fernsehkoch Johann Lafer wird Hochschulprofessor

Johann Lafer

Johann Lafer

Fernsehkoch Johann Lafer wird Professor. An der Hochschule im hessischen Fulda werde er vom Sommer nächsten Jahres an als Lehrender im Hörsaal stehen, sagte der 52-Jährige am Donnerstag bei der Gesprächsreihe „Starvisit“ des Burda-Verlags in Offenburg. Er habe einen Lehrauftrag in Kulinaristik, Esskultur und Kochkunst angenommen. Es gehe darum, Haushalts- und Ernährungswissenschaftler fit zu machen für den Einsatz als Geschmackstrainer in Schulen und Kindergärten sowie in der Großgastronomie. Dieses Vorhaben sei einmalig in Deutschland, sagte Lafer.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Aus einem Blog:

Jetzt versucht der Mensch auch noch, das Klima seinen Bedürfnissen anzupassen, statt sich auf den Klimawandel einzurichten...

das nenne ich Hybris.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Nicht einmal der Hund fraß es...

Peter Haffner erzählt die Geschichte des Lebensmittelwissenschaftlers Robert Baker, der Hühnerfleisch so profitabel machen wollte wie Rindfleisch und der unter anderem die Chicken Nuggets erfand: "Jacoba 'Jackie' Baker, der munteren, nun 89-jährigen Witwe, oblag es zu kochen, was ihr Gatte zusammengebraut hatte. 'Wenn unsere Kinder es nicht gern hatten, zuckte er mit den Schultern. Mochten die Nachbarkinder es nicht, hielt er sie für verwöhnt', sagt sie.
'Nur wenn der Hund es nicht fraß, meinte er, er müsse noch mals ins Labor und dran arbeiten.'"

Reto U. Schneider verleidet einem erfolgreich Frühstücksflocken, die bis zu 55 Prozent aus Zucker bestehen. 'Manchmal ist es gesünder, den Karton zu essen', sagt die Ernährungswissenschafterin Marion Nestle von der Universität von New York."

Die eigene Gemeinheit in der Kunst wiedergespiegelt

James Panero findet eine wenig menschenfreundliche Antwort auf die Frage, warum die spekulative Blase bei Pop Art auf Teufel komm raus nicht platzen will - ein Gemälde von Andy Warhol mit der Abbildung von zweihundert Ein-Dollar-Noten brachte bei Sotheby's am 11. November 43 Millionen Dollar.


Paneros Theorie: Gerade Pop-Art-Künstler wie Warhol schafften es, Kenner und Kritiker als Instanzen des Kunsturteils auszuschalten und neureiche Sammler an ihre Stelle zu setzen: "Gerade eine Kunst mit ungewissem inneren Wert erwies sich als geeignetste für die Manipulation des Marktes. Eine Kunst mit kräftigen Zoten über Billigkeit oder Tod schoss preislich nach oben, während traditionellere Arbeiten, die Jahre visueller Kontemplation brauchten, um die Komplexität ihrer formalen Qualitäten zu erschließen, keineswegs die gleiche Entwicklung nach oben vollzogen."


Und die Museen spielen mit: "Kuratoren verteidigen solch teure Gegenwartskunst, weil sie den Kommerzialismus des Zeitalter widerspiegele: Der Markt gibt der Kunst Bedeutung. Durch die Käufe der Museen können sich internationale Sammler als Mitglieder im Club des Marktexzesses fühlen. Das Publikum fühlt sich dann von dieser Kunst angezogen, weil es seine eigene Gemeinheit darin bestätigt sieht - eine Haltung, deren Gültigkeit ihm wiederum durch die Kunst beteuert wird."