DIE RABENSCHWARZE SEITE

Mittwoch, 2. September 2009

Über 90 Prozent der Stimmen sind doch zu viel...

BERLIN – Im Frühling des Schicksalsjahrs 1989 legte das Politbüro-Mitglied Egon Krenz dem Staatsratsvorsitzenden ein vertrauliches Papier vor. Ob man nicht, so Krenz’ erstaunlicher Vorstoß, bei den anstehenden Kommunalwahlen erstmals „das reale Ergebnis“ bekannt geben solle. Angeblich zeichnete Erich Honecker mit „Einverstanden“ ab. Doch am Abend des 7. Mai gab Krenz eine Zahl bekannt, die weit weg vom „realen Ergebnis“ und nah am für die DDR-Bürger Gewohnten lag: 98,85 Prozent für die SED. Das Ende dieser Geschichte ist bekannt.

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko, den der ehemalige USPräsident George W. Bush einst als „letzten Diktator Europas“ bezeichnete, liest offenbar Geschichtsbücher – und versucht, daraus Lehren zu ziehen. Zum Beispiel diese: Im März 2006 ließ sich Lukaschenko wiederwählen. „Damals haben 93 Prozent für mich gestimmt. Ich habe dann ein Ergebnis von etwa 80 Prozent angeordnet“, bekannte er jetzt in der russischen Zeitung „Iswestija“.
Selbst beim weißrussischen Wähler gelte eine „psychologische Grenze von 90 Prozent“, meint
Lukaschenko. Und so veröffentlichte Minsk schließlich 82,6 Prozent als Resultat.