DIE RABENSCHWARZE SEITE

Sonntag, 16. August 2009

Nonne träumt Kochrezepte

Jeder träumt im Büro ab und an von einem Blaubeer-Muffin oder beim Zeitunglesen von einem Stück Schwarzwälder-Kirschtorte. Doch wenn Schwester Anastazja Pustelnik aus Krakau an süße Leckereien denkt, ist das eineandere Sache. Einmal sah die Nonne vor ihrem inneren Auge eineTorte, bei der sich Schichten aus Käsekuchen mit pinkfarbener Fruchtgelatine und Sandkuchenabwechselten, zart umhüllt von dunklem Schokoladenguss. Für Anastazja ist so etwas eine sprituelle Angelegenheit. „Gott gibt mir die Rezepte. Wer sonst?“, sagt die Gläubige. Frei nach Apostel Paulus, der die Gläubigen in Rom einst darauf hinwies, dass keineswegs nur der Besuch der Messe, sondern das ganze Leben wie ein Gottesdienst sein solle,versteht Schwester Anastazja ihre Visionen als göttlichenAuftrag. Mit dem, was die Vorratskammer des benachbarten Jesuitenordens, für den sie seit Jahren arbeitet, hergibt, backt und kocht sie in freier Kreation die Köstlichkeiten, die sie imTraum sah. Damit hat sie es bis in die polnischen Bestsellerlisten gebracht. Die Jesuitenpriester, denen ihre Gerichte, wie sie selbst sagt, „Stärke geben, wenn sie hinaus in die Welt gehen“, brachten die unauffällige, stämmige Frau auf die Idee, ihre Rezepte in einem Faltblatt zusammeln. Seit 2001 hat sie fünf Bücher veröffentlicht, die bisher insgesamt 1,1 Millionen Mal verkauft wurden und nun auch noch ins Tschechische und Slowakische übersetzt werden sollen. Und wie das mit den Wegen des Herrn oft so ist: Es ist das Einfache, auf das es ankommt. Dank göttlicher Eingebungen und der bescheidenen klösterlichen Lebensweise gibt SchwesterAnastazja nichts auf komplizierte, aufwendige Menüfolgen. Alles ist leicht nachzukochen: traditionelle Kuchen, herzhafte Schmorgerichte, Eintöpfe oder Kohlrouladen....