DIE RABENSCHWARZE SEITE

Freitag, 24. Juli 2009

Kameramann Michael Ballhaus (73) plaudert aus dem Nähkästchen.


„John Travolta kann sich keine vier
Sätze merken, für ihn musste ich im
ganzen Raum Monitore mit seinen
Texten verteilen. Und Jack Nicholson
braucht einen Knopf im Ohr, über den
er seinen Text vorgesprochen bekommt.
Man wundert sich manchmal,
dass einer 20 Millionen Dollar
bekommt und seinen Text nicht
kann“, sagte Ballhaus dem Kölner
„Sonntag-Express“.

Frau Schickedanz:„Ich bekäme mit meinen 65 Jahren nicht mal eine Rente.“

Quelle-Erbin Schickedanz bangt
wegen der Arcandor-Insolvenz um
ihr persönliches Vermögen. Sie habe
viel Geld verloren, sagte sie. In
besten Zeiten habe ihr Karstadt-
Quelle-Aktienpaket einen Wert von
rund drei Mrd. Euro betragen.
„Heute sind es gerade noch 27 Millionen
Euro. Auf dem Papier haben
wir drei Milliarden Euro verloren“,
sagte Schickedanz. Hinzukämen
170 Mio. Euro Verlust aus ihrem Privatvermögen
für eine Kapitalerhöhung
bei Arcandor „und noch ein
zusätzlicher dreistelliger Millionenbetrag,
um das Unternehmen
danach zu stabilisieren“.
Sollte die Rettung von Arcandor
scheitern und die Bankkredite fällig
werden, drohe ihr der Verlust ihres
gesamten Privatvermögens.
Schließlich hafte sie mit ihrem gesamten
Vermögen und den Immobilien,
die auf ihren Namen eingetragen
seien. Wer meine, sie gehöre
trotz der Krise zu den Spurerreichen,
übersehe, dass sie nicht abgesichert
sei. „Ich bekäme mit meinen
65 Jahren nicht mal eine Rente.“ Sie
habe daher begonnen, sich finanziell
einzuschränken.
„In der Öffentlichkeit gelte ich als
Milliardärin. Aber das ist falsch. In
bin eine Mittelständlerin, die wie
viele Unternehmer privates Geld
und Vermögen in die Firma investiert
hat“, betonte die Quelle-Erbin

Donnerstag, 23. Juli 2009

Scham

Machen Sie alle mit! Es macht Spaß und tut nicht weh; es kostet nichts, noch nicht einmal Überwindung, aber es lohnt sich unglaublich, man fühlt sich danach sehr gut. Viele haben sich der Bewegung schon angeschlossen, auch solche, die gar keinen Grund dazu haben. Man kann es überall machen: am Arbeitsplatz, im Fernsehen oder auf dem Sofa davor und braucht dazu weder bestimmte Kleidung noch Geräte, nur einen Kopf, am besten einen roten, aber der kommt dann schon von selbst, vorausgesetzt, Sie vermasseln es nicht. Es ist wirklich sehr einfach: Sie sehen einen anderen Menschen etwas Peinliches tun oder in einer peinlichen Situation, aber dieser andere Mensch schämt sich gar nicht dafür, obwohl er es Ihrer Ansicht nach sollte. Pflichtbewusst, wie Sie sind, übernehmen Sie das dann und schämen sich – für den anderen, nicht für sich, denn Sie haben ja eigentlich keinen Grund, im Gegenteil, der andere, für den Sie den Job übernehmen, müsste sich doppelt schämen, nämlich für die schämenswerte Sache als solche und dann auch dafür, dass er sich dafür eben nicht schämt. Und das müssen Sie dann tun.

Sonntag, 19. Juli 2009

„Wenn ein Mann eine Fliege sieht, dann zielt er auf sie.“

Kleine und scheinbar unwichtige Details können großen Einfluss darauf haben, wie Menschen sich verhalten. Eine gute Faustregel ist, davon auszugehen, dass alles wichtig ist. Einzelne Faktoren können die Aufmerksamkeit der Benutzer in eine bestimmte Richtung lenken und sehr wirkungsmächtig sein. Ein wundervolles Beispiel findet sich – ausgerechnet – auf der Herrentoilette des Amsterdamer Flughafens Schiphol. Dort hat die Flughafengesellschaft in jedem Urinal das Bild einer schwarzen Stubenfliege anbringen lassen. Offenbar achten Männer nämlich meist nicht so genau darauf, wo sie hinzielen, was recht unschöne Folgen haben kann. Sobald sie allerdings ein Ziel erblicken, werden Aufmerksamkeit und damit auch Zielgenauigkeit deutlich gesteigert. Nach Aussage des Mannes, der diese Idee hatte, wirkt der Trick Wunder. „Es wird besser gezielt“, sagt Aad Kieboom. „Wenn ein Mann eine Fliege sieht, dann zielt er auf sie.“ Kieboom ist Ökonom und leitet die Erweiterung der Flughafengebäude. Sein Team hat Untersuchungen über die Wirkung der Fliege im Urinal angestellt und herausgefunden, dass nun 80 Prozent weniger „danebengeht“.

Samstag, 18. Juli 2009

Besuche sollen Pflicht werden

GEDENKSTÄTTEN

Besuche der Gedenkstätten zu NSDiktatur
und DDR müssen nach Ansicht
der CDU-Fraktionsvorsitzenden
von Hessen und Thüringen, Christean
Wagner und Mike Mohring, obligatorisch
werden. „Jede Schülerin und
jeder Schüler sollte einmal in seiner
Schulzeit eine NS- und eine DDRGedenkstätte
besuchen. Das Unrecht
und das Leid der deutschen
Diktaturen darf nicht in Vergessenheit
geraten“, forderten die CDUFraktionsvorsitzenden
laut einer Mitteilung.
Dafür müsse in den Lehrplänen
der entsprechende Raum geschaffen
werden. dpa

Donnerstag, 16. Juli 2009

Mein neuer Partner ist Waldorf Schüler

Ursprünglicher Diskussionsbeitrag:
gesendet am
14/07/09 um 08:00
von: katienka

Warnen Antworten



Hallo

seit einiger Weile habe ich einen neuen Partner.
Was mir besonders auffällt: er ist ein besonders liebenswerter Mann und musisch begabt.

Aber.

Er hat die Eigenart, häufig wechselnden Launen zu folgen, die sehr unterschiedlich sein können. Grob gesagt, ich weiß nie so genau, was er am nächsten Tag erzählt, denn das kann etwas völlig neues sein als am Vortag.

Für mich ist das schwer, weil ich das Gefühl brauche, einem Partner sehr vertrauen zu können und ich bei Martin, so nett er auch ist, nie so genau weiß, welche Version täglich so kommt. Täglich können sich ändern, wozu er gerade Lust hat, also z.B. eine geplante Reise doch wieder verlegen, eine andere Freundin plötzlich sehr attraktiv finden etc.

Ich habe mit einer Freundin darüber gesprochen und die meinte, das wäre typisch für ehemalige Waldorf Schüler, das ist Martin.

Sie folgen nur spontanen inneren Eingebungen und haben nicht so eine feste Meinung oder Zuverlässigkeit.

Ich möchte gerne Eure Meinung hören-hat jemand schon mal von diesem Phänomen gehört ??

LG

Kati

Montag, 13. Juli 2009

koschere Suchmaschine

„In Israel lebende orthodoxe
Juden haben eine neue ,koschere‘
Suchmaschine namens
Koogle gestartet“, informiert Tazeen
Javed. Diese erlaube es ihnen,
„im Cyberspace zu surfen, ohne jemals
unbekömmlichen Bildern
oder dem Glauben abträglichen
Texten begegnen zu müssen, die
Gefahren der Subversion und der
Versuchung in die Schranken weisend.
Koogle folgt den religiösen
Standards, die von Rabbis aufgestellt
wurden, und will orthodoxen
Juden helfen, auf dem festgelegten
Pfad zu bleiben. Offensichtlich eine
Stichelei gegen Google, will Koogle
verbotenes Material herausfiltern
und seine Konsumenten mit koscheren
Bits und Stückchen aus
dem Netz versorgen. Dies sollte unseren
religiöseren muslimischen
Brüdern einen Anstoß geben, eine
Halal-Suchmaschine zu erfinden,
oder sogar etwas noch besseres: einen
Halal-Browser.“

Mittwoch, 8. Juli 2009

Dienstag, 7. Juli 2009

Madoff und Balzac - Von Wolf Lepenies

Hat Bernie Madoff Balzac gelesen?
Wenn nicht, wird er jetzt Zeit finden, sich mit den fast einhundert
Romanen der „Comédie Humaine“ zu beschäftigen. Indizien sprechen
aber dafür, dass der New Yorker Börsenmakler zumindest ein Werk
Balzacs gekannt hat: „Das Bankhaus Nucingen“ (1837). Balzac schildert
darin die Unterhaltung von vier Pariser Lebemännern, die sich im
Chambre séparée die Erfolgsgeschichte des Barons Nucingen erzählen,
eines Bankiers, der von Freunden wie Feinden nur der „Elefant
der Finanz“ genannt wird. Vor der Schlacht von Waterloo
kauft Nucingen 300 000 Flaschen Champagner und Bordeaux für je
30 Sous. Nach der Niederlage Napoleons trinken sie die Alliierten –
und zahlen sechs Franken pro Bouteille. Das große Geld aber macht
Nucingen mit Finanztricks, die Balzac als „puff“ bezeichnet und die in
der Wirkung dem Ponzi-Schema ähneln, mit dem Madoff Milliarden
verspekulierte. Nucingen fühlt sich von den „Gesetzen der Rechtschaffenheit“
eingeengt, er trägt den Krieg in die Welt des Geldes: „Der
Bankier ist ein Eroberer, der die Massen opfert, um zu geheimen Resultaten
zu gelangen, seine Soldaten sind die Zinsen der Privatpersonen.“
Auch weiß der „Elefant“, dass
„Geld erst dann eine Macht ist,
wenn es in unverhältnismäßigen
Mengen vorhanden ist“. Und so redet
er Hunderten von Anlegern ein,
dass sie hohe Gewinne machen
können, wenn sie ihm ihr Geld anvertrauen:
15 Prozent Rendite sind
normal. Wie Madoff ruiniert Nucingen
viele seiner Kunden – aber
anders als Madoff ruiniert er nicht
alle. Strafverfolgung hat er nicht zu
fürchten: „Was geht es den Staat an,
wie sich der Umlauf des Geldes
vollzieht, wenn es nur in ständiger
Bewegung ist?“ Für den Notfall hat
Nucingen dennoch vorgesorgt: Mit
seiner Ehefrau ist Gütertrennung
vereinbart. Dass der Fall Madoff
nicht abgeschlossen ist, steht bei
Balzac: „Die Inszenierung einer so
großen Unternehmung erfordert
viele Handlanger.“
Vor vielen Jahren, als die Derivate
und die Hedgefonds noch nicht
erfunden waren, diskutierten französische
Literaturwissenschaftler
über „La Maison Nucingen“. Ein
unvergleichliches Sittenbild der Finanzwelt,
gewiss – aber, so der Einwand,
ein wenig übertrieben und
von unserer eigenen Realität doch
weit entfernt: So mancher „puff Nucingen“
sei heute nicht möglich,
schließlich unterliege das Finanzwesen
starker Kontrolle. Womit
sich wieder der Lehrsatz des großen
Literatursoziologen Oscar Wilde
als richtig erweist: Das Leben
ahmt die Kunst mehr nach als die
Kunst das Leben.