DIE RABENSCHWARZE SEITE

Freitag, 26. Juni 2009

Punkrocker Iggy Pop


Von Michael Loesl 18. Juni 2009, 11:53 Uhr

Wenn man das alles mit ein bisschen Humor liest und einige Abstriche macht, dann findet man einen bewussten, fortschrittlichen Menschen, der die bürgerliche Maske in radikaler Weise abgelegt hat:

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Foto: SCANPIX_DENMARK

Der amerikanische Rocksänger Iggy Pop ist bekannt als der "Godfather of Punk".

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WELT ONLINE: Müsste ihr Album nicht mit einem Warnhinweis beklebt werden?

Pop: Solange er dazu auffordert, den Schwachsinn beiseite zu schieben, den wir tagein tagaus tun, um uns als Teil der Zivilisation fühlen zu dürfen, ganz sicher. Ich empfehle, sich dem Kern der eigenen Seele zu nähern. Wenn man dort angekommen ist, sollte man mein neues Album hören. Dann wirkt es wie eine Seelenspiegelung. Zugegeben, davor müssen die meisten modernen Individuen gewarnt werden.

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WELT ONLINE: Das sagt ausgerechnet ein Extremist wie Sie?

Pop: Ich bin nicht extremistischer als jeder andere Mensch. Ich lebe meine Extreme nur bewusst aus, was mich weitaus weniger gefährlich macht als die meisten anderen. Warum greift der Spießbürger zur Waffe und warum sind die größten Kunden von Dominas Politiker? Ich konnte nie verstehen, wie ...

......

Pop: Ich erinnere mich an drei oder vier Situationen, in denen es fast soweit gewesen wäre. Bescheuert war das, aber vielleicht auch kathartisch und wichtig für mein heutiges Bewusstsein.

WELT ONLINE: Wie sieht das aus?

Pop: Wahrheit von Lüge unterscheiden zu können. Und zwar blitzschnell. Sie reden mit einem Amerikaner, der genauso wie seine Landsleute, von den Lügen der amerikanischen Massenmedien erzogen worden ist. ...

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WELT ONLINE: Sind Sie verbittert?

Pop: Im Gegenteil! Ich erfreue mich bester mentaler Gesundheit. Nur weil es um Dreiviertel der Menschheit in dieser Hinsicht eher schlecht steht, bin ich noch lange kein Misanthrop. Ich bin sogar ein ausgesprochener Menschenfreund. Aber wenn ich betrachte, wie viele Leute sich von der Angst vor der Rezession lähmen lassen, werde ich zu dem Gedanken verleitet, es mit Mutationen zu tun zu haben, die scheinbar zu blöd sind, Propaganda von Realität zu unterscheiden.

WELT ONLINE: Es gibt also gar keine Rezession?

Pop: Es gibt Raffgierige, die den Rand nicht voll genug bekommen und eine Rezession propagieren, damit sie Massenentlassungen legitimieren können. Warum sich alle davor ducken ist mir ein Rätsel.

WELT ONLINE: Machen solche Gedanken nicht auch einsam?

Pop: Was meinen Sie wohl warum ich so großen Gefallen an Houellebecqs Buch gefunden habe? Ich habe den Traum längst aufgegeben, dazu gehören zu wollen. Die Schärfe meines Verstands nimmt analog immer mehr zu. Und wer braucht schon eine Stimme, die früher als radikal galt? In einer Zeit, in der das soziale Nivellieren schlimmer als die Schweinepest wütet? Ich bin nicht leiser oder opportunistisch geworden. Aber gegen den Unterhaltungsgeräuschpegel der modernen Zivilisation will ich eben aus Gründen der der geistigen Gesundheit nicht antreten.


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