DIE RABENSCHWARZE SEITE

Donnerstag, 4. Juni 2009

Glosse Feuilleton

Von Jürgen Kaube

03. Juni 2009


In einem der herrlichsten Interviews, das je geführt wurde, erzählte vor ein paar Jahren Sylvester Stallone der „Süddeutschen Zeitung“, wie sich einmal sein 1,7 Millionen teurer Anselm Kiefer, ein Bild, auf dem Stroh befestigt ist, auflöste: „Zu Hause denke ich: Scheiße, was liegt da unterm Bild? Stroh. Jeden Tag ein neuer Halm. Ich rufe den Händler an und sage: ,Der Kiefer haart.‘ Sagt der Händler: ,Mister Stallone, das muss so sein, das Bild macht eine Entwicklung durch, das Bild lebt.‘“

Da nahm Stallone die Tube und klebte die Halme selbst dran, jeden Tag wieder, hat inzwischen aber das Bild schon wieder verkauft, weil seine Frau fand, die Kinder könnten davon depressiv werden. Und beim Verkauf hat offenbar niemand gemerkt, dass das Bild unaufwendig restauriert worden war.