DIE RABENSCHWARZE SEITE

Donnerstag, 28. Mai 2009

So liebt mich doch, Turkmenen!

Der Despot Turkmenbaschi wollte unsterblich sein. Fast ist ihm das gelungen. Vielleicht hat Saparmuart Nijasow sich ganz einfach gefürchtet. Sich gefürchtet, vergessen zu werden.
Fünfzehn Jahre lang, von 1991 bis zu seinem Tod im Jahr 2006, hat Turkmenbaschi Turkmenistan regiert und dabei das Land zu einem Ort von Tyrannei und Paranoia gemacht. Er schuf ein riesiges Überwachungsnetz: Einer von drei Turkmenen arbeitete während seiner Regierungszeit für den turkmenischen Geheimdienst. „Ich möchte in der Lage sein, sogar den Flugweg von Fliegen verfolgen zu können“, verlangte der Despot.

Was das bedeutete, erfuhr Nicolas Righetti am eigenen Leib. Immer wieder wurde er während seiner Aufenthalte festgenommen, innerhalb von einer Woche sogar siebzehnmal.


Nirgendwo, so scheint es, kann man seinem Antlitz entgehen. Der Präsident lächelt jovial von riesigen Plakatwänden, steht mit stolzgeschwellter Brust und in Stein gemeißelt vor Einkaufszentren und zwischen Parkgebüsch. Auf Wodkaflaschen, Spaghettipackungen, auf Geldscheinen, Senfgläsern und Herrendüften ist sein Gesicht gedruckt. Sogar in der öffentlichen Toilette verfolgt die Menschen Turkmenbaschis Blick – unmöglich zu vergessen, wer das Land regierte.


.. Es sind Sätze aus „Ruhnama“, dem zweibändigen Buch, einem heiligen, weil dem Koran gleichgestellt, das Turkmenbaschi schrieb, um sein Volk auf sich einzuschwören. Er sei die Reinkarnation des Perfekten, behauptete er darin, dass die Turkmenen siebzig Weltreiche gegründet und das Rad erfunden hätten, ebenso den Weizenanbau und aus Erzen gegossenes Werkzeug.
„Ruhnama“ war Pflichtlektüre in Schulen und Universitäten, Lernstoff für den Einstieg in die Beamtenlaufbahn, und nur wer sechzehn Stunden „Ruhnama“-Unterricht vorweisen konnte, wurde zur Führerscheinprüfung zugelassen.


Jeder, der das Buch dreimal gelesen habe, dem sei das Paradies sicher, pflegte Turkmenbaschi zu sagen, der sich als Sonnengott und Begründer des „Goldenen Zeitalters“ der Turkmenen, als Befreier seines Volkes von dem Sowjetregime, verstand. Die Nationalhymne schrieb er selbst, als Hymne auf sich selbst. Den Monat Januar ließ er nach sich und den April nach seiner Mutter benennen.


Fast alle Krankenhäuser auf dem Land ließ er schließen, Tausende von Krankenschwestern und Ärzten wurden entlassen, weil er predigte, dass die Turkmenen ein gesundes Volk seien. War Turkmenbaschi selbst krank, behandelten ihn ausländische Ärzte.