DIE RABENSCHWARZE SEITE

Sonntag, 10. Mai 2009

Rilke, diese Mimose aus Muzot

Fritz J. Raddatz hat sich nun einen Autor vorgenommen, den, wer die beiden kennt, kaum in einem Atemzug mit dem "Unruhestifter" Raddatz nennen würde. Rilke, diese Mimose aus Muzot, "die erste männliche Lesbe", wie ihn unübertrefflich respektlos der Literaturwissenschaftler Gerd Mattenklott genannt hat,


Rilke, der Hausautor alleinstehender Klavierlehrerinnen und junger tränenseliger Mädchen - ist er nicht längst zur Spottfigur mutiert? Schlug nicht jene übergroße Verehrung, die ihm einst ein bestimmter Frauentyp entgegenbrachte, irgendwann um in schon fast hochnäsige Verwerfung und färbt sein Andenken so penetrant veilchenfarben ein, dass man vor lauter Trösteinsamkeits-Pastillen das Harte, Provokante, Schroffe nicht mehr schmeckt, das er ja auch hat?

Er fragt sich also: "War er ein Preziosenfabrikant, der seine kostbar zurechtgeschliffenen Diamanten in mit edlem Samt ausgeschlagenen Saffianschatullen feilbot - oder ein Sternenfänger, dessen unermesslicher Hunger nach Licht eine in Finsternis darbende Welt heller machte?"....