DIE RABENSCHWARZE SEITE

Mittwoch, 20. Mai 2009

Ferdinand und das kalte Wildschwein

Ferdinand Piëch ist immer für eine Überraschung gut. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hat einen Sinn für ungewöhnliche Auftritte mit großer Schlagkraft. So war es auch am Montagabend. VW hatte einen Tross von Journalisten nach Sardinien eingeladen. An der bezaubernden Costa Smeralda sollten sie den neuen Polo Probe fahren. Die meisten waren jedoch vor allem deshalb gekommen, weil ihnen der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn als Gesprächspartner versprochen worden war. Der kam dann auch – aber eben nicht allein. Der VW-Firmenflieger aus Wolfsburg landete in Salzburg zwischen und nahm Piëch nebst Gattin Ursula (Uschi) an Bord.


Normalerweise bringt Piëch auf Fragen von Journalisten kaum zwei Sätze heraus. Aber an diesem Abend ist alles anders. Bestens gelaunt, verteilt er Seitenhiebe auf die Wettbewerber und Ohrfeigen an die Porsche-Oberen, die nur selten augenzwinkernd gemeint sind, wenn Piëch dabei listig mit den Augen zwinkert.


Heiter erzählt er von seiner Anreise: Die 30 Kilometer vom Flughafen zum Hotel sitzt er auf dem Rücksitz eines Polos. Gelenkt wird das kleine Gefährt von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, seinem Ziehsohn. Neben Winterkorn sitzt Uschi. Warum seine Frau denn nicht gefahren sei, wird Piëch gefragt, das wäre doch eine schöne Vorführung geworden. „Wir lassen uns nicht vorführen“, entgegnet dieser, was ruhig auch als Seitenhieb auf seinen Cousin Wolfgang Porsche und dessen Vertrauten Wendelin Wiedeking interpretiert werden kann.

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Er hätte wohl noch eine Weile weitergeplaudert mit all den Journalisten. Fragen gab es ja genug. Doch Gattin Uschi verhinderte dies: „Ferdinand, das Wildschwein wird kalt“, sagte sie freundlich –
JOHANNES RITTER
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.05.2009 Seite 16