DIE RABENSCHWARZE SEITE

Freitag, 15. Mai 2009

Die Frau aus dem Keller

Indien

Indien vor dem Ende der Wahl: Wie die Gouverneurin Mayawati, eine Unberührbare, die Eliten das Fürchten lehrt

Geboren im Slum von Delhi: Mayawati begrüßt ihre Anhänger in Neu Delhi

Geboren im Slum von Delhi: Mayawati begrüßt ihre Anhänger in Neu Delhi

Mayawati, die Unberührbare, steht auf einer hölzernen Wahlkampfbühne in der nordindischen Stadt Moderabad. Tausende Menschen starren auf sie. Früher durfte man eine wie sie in Indien straflos einpferchen, füttern, zur Arbeit prügeln. Sie hätte nicht aus den Wasserbrunnen der Menschen trinken können. Die Dalit, zu denen Mayawati gehört, galten als kastenlos, sie verrichteten die niedrigste Arbeit, sie taugten nicht zum Menschsein. Doch jetzt jubeln Tausende Menschen Mayawati zu, dunkle Gestalten in Lumpen. Zahnlose Omas, abgearbeitete Männer, halb nackte Kinder. Mayawati will ihnen eine Stimme geben und ein Gewicht in der indischen Politik. Niemand, kein Gandhi, kein Nehru, kein großer König in der langen Geschichte Indiens, hat das je vor ihr versucht: die Unberührbaren an die Macht zu führen. Mayawati könnte es gelingen.

Mayawati ist ihr einziger Name. Unberührbare haben meist nur einen Namen. Sie stammt aus den Slums von Delhi, aus Inderpuri, BlockB, Hausnummer 685, wo ihre alten Nachbarn von Hausnummer 667 gern ihr Kinderzimmer vorführen: ein dreckiges schwarzes Kellerloch ohne Fenster, das sie mit acht Geschwistern teilte. ....