DIE RABENSCHWARZE SEITE

Freitag, 17. April 2009

Reich-Ranicki

Hat der Computer den Stil der Journalisten verschlechtert?

Reich-Ranicki:Nein, der Computer hat den Stil ganz entschieden verbessert. Und das kann ich Ihnen genau erklären. Man schreibt einen Satz, stellt fest, dass eine Kleinigkeit noch besser sein könnte, und sofort kann man es verbessern. Also tut man es. Früher, mit der Schreibmaschine, tat man es nicht.


Das Gegenargument kennen Sie: Früher hat man länger nachgedacht, bevor man losgetippt hat.

Reich-Ranicki: Das hat Günter Grass mir immer versucht einzureden, er behauptete, der Computer verderbe den Stil. Unsinn.


Die Guten denken nach und ändern. Die Schlechten nicht.

Reich-Ranicki: Wir sind uns einig.


Lesen Sie Texte online?

Reich-Ranicki: Ich weiß nicht, was das ist.


Wissen Sie, was ein Blog ist?

Reich-Ranicki: Nein.


So eine Art digitaler Leserbrief...

Reich-Ranicki: ... das will ich nicht lesen.


Googeln Sie?

Reich-Ranicki: Ich lasse googeln.


Google hat schon 15 Millionen Bücher gescannt, 1,5 Millionen davon sind für mobile Lesegeräte zugänglich. Ist das gut oder schlecht für die Literatur?

Reich-Ranicki: Weder noch.


Wird das Internet den Bücherschrank ersetzen?

Reich-Ranicki: Es wird beides geben. Ich habe nichts gegen solche Geräte. Hauptsache die Texte sind gut.