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Sonntag, 25. Januar 2009

Transnistrien wird nur von Transnistrien anerkannt

L`Espresso (Italien), 16.01.2009

Vor drei Jahren hat Andrzej Stasiuk auf dem Marktplatz des alten Seebades Budva in Montenegro einen Kaffee getrunken und ein Fußballspiel angeguckt, zwischen Montenegro und Transnistrien. Und da kam ihm dieser Gedanke: Früher sind Staaten entstanden, weil Völker unabhängig sein wollten, heute werden Nationen konstruiert, weil es zum Geschäftsmodell passt.

"Transnistrien wird nur von Transnistrien anerkannt und stillschweigend von Moskau geduldet. Der größte Reichtum des Landes sind die riesigen Waffenlager, die von den Sowjets zurückgelassen wurden. Es gibt Grenzbefestigungen, eine Landeswährung, und alles wird regiert von der Familie Smirnov, die einer Mafiafamilie doch sehr ähnelt. Während des lauen adriatischen Sonnenuntergangs hatte ich das Gefühl, eine alternative Realität zu beobachten. Die Welt, Europa, all das existierte noch, aber parallel dazu entstand eine völlig neue Ordnung. Zwei nicht existierende Länder treten durch ein internationales Fußballspiel in Verbindung und übertragen es im Fernsehen. Die Männer am Nebentisch waren in Stimmung. Sie begeisterten sich für ihr inexistentes Land. Aber auch die Mannschaft von Transnistrien hatte etwas vorzuweisen: sie spielte in ihrem eigenen Nationalstadion, das in Tiraspol mit dem Geld Smirnovs gebaut worden war, des Kommunisten, Gangsters und Waffenhändlers."