DIE RABENSCHWARZE SEITE

Montag, 19. Januar 2009

Der arme Prinz

Dass man solche Dinge nicht auf das Konto "Humor" abbucht, ist doch recht sonderbar:

Lt. LONDON, 11. Januar.

Leutnant Harry Wales, der Dritte in der britischen Thronfolge, sieht sich ein weiteres Mal gezwungen, einen Kampf gegen sein eigenes öffentliches Image zu führen, statt sich auf seine militärische Vervollkommnung zu konzentrieren. Zurzeit beginnt er eine Ausbildung zum Piloten von Kampfhubschraubern. Doch nach der Veröffentlichung eines Videos, das Szenen aus der Anfangszeit seiner Offiziersausbildung vor drei Jahren zeigt, steht die weitere Laufbahn des Prinzen bei den Streitkräften unvermittelt in Frage.

Der jüngere Sohn der verstorbenen Prinzessin Diana und des britischen Thronfolgers Charles bezeichnete im Verlauf der privaten Filmaufnahme einen Kameraden asiatischer Herkunft mit dem Ausdruck „unser kleiner Paki-Freund Ahmed“. Damit nicht genug, teilte er während einer Nachtübung einem anderen Kameraden, der eine Tarnmütze trug, jovial mit, er sehe wie ein „raghead“ aus – das ist ein Schimpfwort, bedeutet eigentlich Lumpenkopf, im übertragenen Sinn aber eher Kameltreiber, und zielt gewöhnlich auf Araber oder andere Asiaten, die mit Tüchern ihren Kopf bedecken.

Die verbalen Ausrutscher des Prinzen riefen in der britischen Öffentlichkeit die Erinnerung an eine andere Entgleisung wach. Harry war vor einigen Jahren, kurz bevor er den roten Soldatenrock der Königin erstmals anzog, auf einer Faschingsparty in einer weißen Phantasieuniform mit Nazi-Symbolen erschienen, die entfernt an die Kostüme von Hitlers Stellvertreter Göring erinnerte.

Das jetzt vom Boulevardblatt „News of the World“ veröffentlichte Video hat eine Truppenübung auf Zypern zum Inhalt, an der Harry als Fähnrich während seiner Ausbildungszeit auf der Offiziersschule Sandhurst teilnahm. Harry filmte selbst die Zeit des öden Wartens auf einem britischen Militärflugplatz vor der Verlegung seiner Einheit ins Mittelmeer. Er lässt die Kamera über seine schlafenden Kameraden streifen, die zwischen den Sitzreihen des Warteraums auf dem Boden liegen, und murmelt Kommentare wie „vorbildliche Haltung“, „sehr unordentlich“. Schließlich rückt „Ahmed“ ins Bild, und Harry gibt den Kommentar ab.
Ein Sprecher des königlichen Haushalts gab in der Nacht zum Sonntag sogleich eine entschuldigende Mitteilung im Namen des Prinzen ab. Der Parteichef der oppositionellen Konservativen, David Cameron, sagte am Sonntag der BBC, Harrys Äußerungen seien inakzeptabel. Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums kritisierte „derartige Formulierungen“. Die britischen Sicherheitskräfte, Armee und Polizei, sind Vorwürfen rassistischen Verhaltens gegenüber sensibel. Sie werden als doppelt schädlich empfunden – zum einen, weil große britische Truppenkontingente in den islamischen Ländern Irak und Afghanistan stehen, zum anderen, weil Armee und Polizei dringend nach Rekruten asiatischer, arabischer oder afrikanischer Herkunft suchen.

Das Erinnerungsvideo des Prinzen an seine erste Militärübung ist allerdings lang und vielfältig genug, um zu demonstrieren, dass Harry bei dieser Gelegenheit nicht einen persönlichen Rassismus verewigen, sondern vielmehr den üblichen Blödsinn junger Rekruten auf einem Gemeinschaftsausflug festhalten wollte: Er treibt auch mit seiner eigenen Großmutter, der Oberkommandierenden, Schabernack, indem er sich während der Feldübung filmen lässt bei einem fingierten Anruf im Buckingham Palace: „Ich muss jetzt Schluss machen, grüß die Corgies und Opa, Gott schütze dich!“