DIE RABENSCHWARZE SEITE

Freitag, 23. Dezember 2011

When we meet some meat...

Durch einen Schreibfehler wurde aus einem

TEAMMEETING

ein

TEAMMEATING -

Was das wohl bedeuten mag?




Sonntag, 18. September 2011

"Engagement, Einsatzbereitschaft, Kooperations- und Teamfähigkeit sowie interdisziplinäres Denken"

Rapp bekam die Regel im Bewerberseminar beigebracht, das Teil seines Abfindungspakets war: Sprich niemals schlecht über frühere Arbeitgeber – schon gar nicht bei Vorstellungsgesprächen.

„Auch wenn Sie so einen Hals haben“, sagte der sympathische Seminarleiter mit ausgebreiteten Armen, „halten Sie sich zurück.“

Rapp hätte eine Menge über seinen Ausstieg zu erzählen gehabt. Allein von „Ausstieg“ zu sprechen war Unsinn. „Rauswurf“ hätte es allerdings auch nicht besser getroffen. Es war irgendetwas dazwischen gewesen. Der Wind hatte sich gedreht, der Druck zugenommen, die Stimmung sich verschlechtert, die Probleme sich vergrößert, und am Ende lag ein Abfindungsangebot auf seinem Schreibtisch, das er besser annahm.

Die Stellenausschreibung, auf die er sich nun bewarb, verlangte unter anderem folgende Qualifikationen: Selbständige, eigenverantwortliche, teilnehmer- und lösungsorientierte Arbeitsweise, Engagement, Einsatzbereitschaft, Kooperations- und Teamfähigkeit, interdisziplinäres Denken, überzeugendes Auftreten, Eigeninitiative, Zielstrebigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Reflexionsfähigkeit, soziale Kompetenz, Belastbarkeit, Flexibilität, Organisationsgeschick, Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung.

Rapp bewarb sich übrigens nicht um die Stelle des UN-Generalsekretärs, sondern um eine auf ein Jahr befristete Elternzeitvertretung im mittleren Management, die deutlich schlechter dotiert war als seine vorangegangene, unbefristete Position. Er wurde zum Gespräch geladen.

Rapp wusste Bescheid: Wer seinen Job loswurde und glücklich genug war, einen neuen zu finden, musste eine Hürde mehr überwinden als jeder Berufsanfänger. Und sie ließ nicht lange auf sich warten, die einzige Frage, die er mit einer Lüge zu beantworten gedachte, allein um seine Professionalität unter Beweis zu stellen. „Was hat sie bewogen zu wechseln?“, wurde er gefragt, und er antwortete: „Der Wunsch nach noch mehr selbständiger, eigenverantwortlicher, teilnehmer- und lösungsorientierter Arbeitsweise, Engagement, Einsatzbereitschaft, Kooperations- und Teamfähigkeit sowie interdisziplinärem Denken.“

Seine Erklärung wurde prompt akzeptiert, und er bekam die Stelle. Als er fragte, was schließlich den Aus-schlag gegeben habe, bekam er ohne Zögern die Antwort: „Überzeugendes Auftreten, Eigeninitiative, Zielstrebigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Reflexionsfähigkeit, soziale Kompetenz, Belastbarkeit, Flexibilität, Organisationsgeschick, Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung haben uns überzeugt.“

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.09.2011 Seite C1

Montag, 15. August 2011

Erzählung von Herrmann Kant - DDR

Die Erzählung „Bronzezeit“, von Kant seinem Kollegen Stephan Hermlin gewidmet.

"Auch hier begegnen wir dem Buchhalter Farßmann, diesmal eine wichtige Figur im „Volkseigenen Betrieb Orden und Ehrenzeichen“, kurz ausgedrückt „VEB Ordunez“. Die Firma dient dem staatlichen Sektor „Ruhm und Ehre“ und fertigt vor allem „Ode-an-die-Freude-Orden“ und „Freunde-an-der-Oder-Medaillen“. Die jedoch sind nur auf dem Binnenmarkt gefragt, und der Betriebsleiter möchte unbedingt auch Orden für Länder mit harter Währung produzieren. Dazu soll eine Bronzestatue des „Großen Reiters“ verhelfen, die einst auf dem „Platz der guten Taten“ prangte, in der antipreußischen Propagandaphase dann abgeräumt und auf dem Firmengelände verbuddelt wurde. Jetzt, in einer Zeit der „Neuen Unbefangenheit“, könnte der Bronzevorrat helfen, die Deviseneinnahmen zu steigern. Farßmann aber warnt vor der Neubewertung des Preußentums. Bald darauf wird der Preußenreiter wieder aufgestellt und Farßmann als Ehrengast zur „Wiederbemannung des Sockels am Platz der guten Taten“ geladen. Will man ihn etwa zum Funktionär befördern? Er entzieht sich der unerwünschten Ehre, indem er die Begrüßungsriten zwischen kommunistischen Parteichefs übertreibend imitiert: Er küsst den „Höchsten Vertreter des Höchsten Bereichs“ auf die linke Wange, auf die rechte Wange und schließlich auf den Mund. Das Ergebnis: „Ich hatte mich aus der Gefahr, ein Prinz zu werden, zurück auf meinen Platz als Frosch geküsst.“

Sonntag, 14. August 2011

Erinnerungen eines französischen Adligen im 18.Jahrhundert

Nachhaltige Erziehungsmethoden
"Mit dreizehn Jahren führte man ihn dreimal die Woche in die Pariser Theater, um ihn für den Rest seines Lebens von übermäßigen Theaterbesuchen abzuhalten."

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Kirchenfürsten lebten nicht wie der Heilige Franziskus:

"Am 15. Oktober 1742 speiste Croÿ beim Kurfürsten von Köln, „an einem dieser kunstvollen Tische, die zum Wechsel der Gänge versenkt werden und in deren Mitte sich ein kleines Loch befindet, Postillon genannt, wo ein Papier parat liegt, worauf man schreibt, was man sich wünscht: Man muss der Vorrichtung nur einen leichten Stoß versetzen, sie senkt sich, und das Begehrte steigt alsbald herauf. Auf diese Weise speist man ohne Personal.“"

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Der französische König gehörte nicht zu den erstrangisten Monarchen Europas:

"Komplizierte Protokollfragen eröffneten sich, wenn ein höherrangiger Monarch wie Kaiser Joseph II. empfangen werden musste. Schon der Besuch normaler Könige, wie etwa der Christians VII. von Dänemark, bot gewisse Schwierigkeiten. Ludwig XV. reichte ihm die Hand, redete ihn mit Sire oder Eure Majestät an, was man noch nie erlebt hatte, und nur einmal nannte er ihn Monsieur, entschuldigte sich aber schnell: „Verzeihen Sie bitte, meistens bin ich hier der einzige König!“
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Auch das Ehebett war öffentlich:

"Der Herzog wird mehrfach Zeuge der Hochzeiten französischer Kronprinzen und der damit verbundenen Zeremonien: „Nachdem beide ins Bett geschlüpft waren, wurden die Vorhänge wieder geöffnet, und alle Anwesenden betrachteten das Paar eine Weile: ein arg peinsames Ritual, das alles Unbehagliche am Gepränge der Könige und Großen vor Augen führt.“

Freitag, 20. Mai 2011

Die richtige Fußball-Mannschaft?

Von Georg M. Oswald
aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.05.2011 Seite C1

Schon wieder Fußball!“ stöhnte May, nachdem er aufgelegt hatte. Bohr, ein Mann, der sich Entrepreneur nannte, wenn er nach seinem Beruf gefragt wurde, empfand eine wirklich allzu kindliche Freude an diesem Spiel. Doch May war nicht in der Position, ihm das zu sagen. Er war überhaupt nicht in der Position, ihm irgendetwas zu sagen, wenn er nicht von ihm gefragt wurde. Und er wurde nur einmal im Jahr von ihm etwas gefragt, nämlich, ob er zum Saisonfinale in dessen V.I.P.-Lounge in der Arena mitkomme. Und eigentlich war es auch gar keine Frage, denn May hatte keine Wahl. Die Firma, für die er arbeitete, war auf Bohrs Aufträge angewiesen.

Man könne ja nebenbei die Preise fürs nächste Geschäftsjahr besprechen, stellte Bohr in Aussicht. „Besprechen“ hieß, Bohr sagte, was er zu zahlen bereit war, May und seine Kollegen in der Geschäftsführung nahmen das Angebot unverändert an. Bohr war ein Roter. In diesem Jahr spielten die Roten im letzten Spiel gegen die Blauen. Während alle, die sich für erfolgreich, überlegen und extraklasse hielten, Fans der Roten waren, hielten sie alle Blauen für Versager, Underperformer und Minderleister. May schmerzte das, denn in seiner Kindheit hatte er den Blauen die Daumen gehalten. Bohr durfte das natürlich niemals erfahren.

„Man muss Masochist sein, wenn man für die Blauen ist“, pflegte er zu sagen. Was die Roten und er gemeinsam hatten, war sein Lieblingsthema. Während des Spiels erklärte er May gerne die Bedeutung der Adjektive „erfolgreich“, „überlegen“ und „extraklasse“. Er wies May auf die Bandenwerbung hin, die er, wie er sagte, „gestaltet“ habe. „Erfolgreich, überlegen, extraklasse – Bohr.“

„Großartig!“ sagte May, dessen Wangenmuskeln vom devoten Dauerlächeln bereits schmerzten. Das Spiel zum Saisonfinale war eigentlich Nebensache. Die Roten waren nicht Meister geworden. Aber das war Bohr egal. „Wir sind immer die Besten. Aber müssen wir deshalb am letzten Spieltag die Flaschen gewinnen lassen?“ May zwang sich, weiter zu lächeln. Der Humor des Mannes war wirklich filigran.

Auf dem Spielfeld stand es lange unentschieden. Als in der letzten Minute der Ball auf das Tor der Roten zuflog, der Torwart sich weiter und weiter streckte, aber keine Chance mehr hatte, den Schuss zu halten, sprang May auf, riss die Arme in die Höhe und rief: „Too ...“ Noch bevor ihm das „r“ über die Lippen kam, fürchtete er, einen bösen Fehler gemacht zu haben. Bohrs zähnefletschendes Lächeln bestätigte ihm seinen Verdacht.

Wenige Tage später erhielten May und seine Kollegen einen Brief Bohrs, in dem er die Verhandlungen für gescheitert erklärte.

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Mittwoch, 27. April 2011

Philip Mountbatten - Prinzgemahl


Medien kritisieren manche Äußerungen des Prinzen bei öffentlichen Auftritten, besonders im Ausland, als taktlos: Beispielsweise äußerte er sich gegenüber britischen Studenten in China („Wenn Sie länger hier bleiben, werden Sie alle Schlitzaugen bekommen“) oder Papua-Neuguinea („Sie haben es also geschafft, nicht verspeist zu werden“). Aborigines in Australien fragte er, ob sie noch mit Speeren nach einander würfen. Auch Bemerkungen Staatsoberhäuptern gegenüber waren umstritten, so erklärte er dem Landestracht tragenden Präsidenten von Nigeria: „Sie sehen aus, als wollten Sie gleich ins Bett gehen.“ und während der Hannover Messe1997 begrüßte er Bundeskanzler Helmut Kohl mit den Worten: „Guten Tag, Herr Reichskanzler!“. Anlässlich ihrer Krönung fragte er seine Frau: „Wo hast du diesen Hut her?“. Mit solchen Äußerungen und seiner politischen Unkorrektheit hat er jedoch auch die Sympathien vieler Briten erlangt.

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Prinz Philip ist Ehrenpräsident des WWF, manche Naturschützer werfen ihm allerdings Heuchelei in Sachen Artenschutz vor, da er früher selbst Großwildjäger war.

Donnerstag, 10. März 2011

20 verrückte Urlaubsbeschwerden

Das Hotel ist der Klapperstorch: 
"Mein Verlobter und ich haben ein Zimmer mit zwei Einzelbetten gebucht., doch man gab uns ein Zimmer mit Doppelbett. Wir machen Sie dafür verantwortlich, dass ich nun schwanger bin. Das wäre nicht passiert, wenn wir das eigentlich gebuchte Zimmer bekommen hätten."
Urlaubsbeschwerden

Zu Hause ist alles besser, II: "Hier gibt es zu viele Spanier. Die Dame am Empfang spricht Spanisch. Das Essen ist Spanisch. Zu viele Ausländer."


Strand-Nörgeleien, I. 
"Der Strand war zu sandig", lautete eine Beschwerde.
Richtig blond, IV:
"Niemand hat uns vorher gesagt, dass es Fische im Meer gibt. Unsere Kinder haben sich sehr erschreckt."
Richtig blond, II: 
"Ich wurde von einem Moskito gestochen - niemand sagte mir, dass sie stechen können."
Richtig blond, I: 
"Wir haben einen Ausflug in einen Aqua Park gebucht, aber niemand hat uns gesagt, dass wir Badekleidung und Handtücher mitnehmen müssen.
Friseure im Urlaub:
 "Im Prospekt stand "Kein Friseur in der Unterkunft". Aber wir sind Friseurlehrlinge, dürfen wir trotzdem in diesem Hotel bleiben?"

Sonntag, 6. Februar 2011

Da ward ihm schwindlig

Wie war dein Tag, Schatz?

Von Georg M. Oswald

Hier war es also! Kerz war zumute, als betrete er den Spiegelsaal von Versailles. Sein erstes eigenes Büro! Gut, die Wände waren aus Kunststoff, nicht aus Ziegel, es war gut und deutlich zu hören, wenn im Nebenzimmer jemand sprach, also würde umgekehrt im Nebenzimmer auch zu hören sein, wenn er sprach, aber man musste ja nicht immer sprechen. Man konnte ja auch einfach mal nur Gesichter machen. Oder die Schuhe ausziehen. Beides diente unzweifelhaft der Entspannung und sorgte an einem geteilten Arbeitsplatz für Probleme. Hier nicht. Denn dies war Kerzens erstes eigenes Büro.

Eines ohne Fenster zwar, aber das war nicht so schlecht, denn wo man nicht hinaussehen konnte, konnte man auch nicht hineinsehen. Man hätte in dieses Zimmer einen zweiten Schreibtisch stellen können, und man hatte es nicht getan, und so war es ein Zimmer, in dem er ungestört und für sich bleiben konnte. Dies, so dachte Kerz hochzufrieden, war ein eindeutiger und sogar mehrfacher Vertrauensbeweis seines Arbeitgebers. Ein Mitarbeiter, der ein eigenes, von außen nicht einsehbares Büro bekam, war erstens so wichtig, dass er seine Arbeit nur ungestört und in Ruhe verrichten konnte, und zweitens so vertrauenswürdig, dass er diesen Freiraum niemals ausnützen würde, um irgendwelchen Unsinn zu treiben.

„Freiraum!“, hauchte Kerz und setzte sich auf den Drehstuhl hinter dem Schreibtisch. Er schloss die Augen, wiederholte das Wort „Freiraum!“, hob die Beine an und zog sich an der Tischkante im Uhrzeigersinn. Schnell nahm er Fahrt auf und wirbelte, wirbelte um die eigene Achse wie ein Eiskunstläufer, ein Meister der Tanzfläche! Immer heftiger stieß er sich von der Schreibtischkante ab, die Augen noch immer geschlossen. Was war das für ein grandioses Gefühl! Freiraum!

Ein unsäglicher Schreck fuhr ihm in die Glieder, als er ein Räuspern vernahm, das definitiv nicht von ihm selbst kam.
„Sind Sie Herr Kerz?“ Kerz bremste ab. Als er zum Stehen kam, war ihm schwindlig. Die Leute würden lernen müssen, vorher anzuklopfen. Der Mann, gekleidet wie jemand vom Facility Management, wiederholte seine Frage: „Sind Sie Herr Kerz?“ „Gewiss“, antwortete Kerz, etwas außer Atem und doch um Würde bemüht. „Gut, dann kommt hier noch ein zweiter Schreibtisch rein“, sagte der Facility Manager und schob sich sein blaues Käppi aus der Stirn. „Nein, das ist ein Irrtum, dieses Büro ist für mich allein“, protestierte Kerz. „Nicht mehr. Dieses und die anderen sind jetzt doch immer für zwei. Der Chef sagt: ‚Das ist wie bei den Kanarienvögeln. Man muss sie mindestens paarweise halten, sonst drehen sie durch!‘“

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.


Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.01.2011 Seite C1

Freitag, 4. Februar 2011

Wasserfloh hat mehr Gene als alle anderen Tiere

Jan Michels / Christian-Albrechts-Universität

Verblüffender Winzling: Ein Wasserfloh hat deutlich mehr Gene als der Mensch. Forscher glauben, dass sich die Tiere deswegen besonders gut an wechselnde Umweltbedingungen anpassen können - zum Beispiel, um nicht von UV-Strahlen verbrannt zu werden.

Washington - Er ist ein Überlebenskünstler im Mini-Format: Wird der nur wenige Millimeter große Wasserfloh von Räubern angegriffen, wachsen ihm in Windeseile eine Art Helm, ein langer Schwanz und Nackenzähne. Damit ist das durchsichtige Krebstier - sein wissenschaftlicher Name lautet Daphnia pulex - in vielen Fällen zu groß, um einfach gefressen zu werden. Auslöser für die Schutzreaktion sind chemische Signalstoffe, die Angreifer beim Fressen absondern.

Wissenschaftler um John Colbourne von der Indiana University in Bloomington haben nun das Erbgut des Wasserflohs analysiert - unter anderem in der Hoffnung, mehr über diesen Trick herauszufinden. Das verblüffende Ergebnis ist im Fachjournal "Science"nachzulesen: Der Winzling hat nämlich mehr Gene als der Mensch - und auch mehr als jedes andere bisher untersuchte Tier.



Das Genom des Wasserflohs ist zwar sehr klein, die einzelnen Gene sind aber extrem dicht gepackt: Bei einer Größe von gerade einmal 200 Millionen Bausteinpaaren enthält das Wasserfloh-Erbgut über 31.000 Gene. Bei Menschen besteht das Erbgut aus etwa drei Milliarden Buchstabenpaaren, es umfasst aber nur 23.000 Gene.

Der Unterschied ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Wasserfloh-Erbgut im Gegensatz zu dem des Menschen fast ausschließlich DNA-Regionen enthält, die einen Bauplan für ein Protein oder ein regulierendes RNA-Molekül tragen. Viele Erbgutabschnitte des Wasserflohs waren bisher völlig unbekannt. Mehr als ein Drittel der entzifferten Gene habe man bislang bei keiner anderen Spezies gefunden, berichten die Forscher. Die Funktion der meisten der Gene sei komplett unbekannt.

Viele der Gene seien durch Verdopplungen vorhandener Erbgutabschnitte entstanden, schreiben Colbourne und seine Kollegen. Das Krustentier besitze 30 Prozent mehr Gen-Duplikate als der Mensch. Vermutlich können diese Gen-Kopien sehr schnell neue Funktionen annehmen, spekulieren die Forscher. Sie glauben deswegen, dass die Gene maßgeblich für die Anpassungsfähigkeit des Tieres verantwortlich sind.

Wissenschaftler hatten bereits herausgefunden, dass Wasserflöhe zwischen verschiedenen Gefahren unterscheiden können. Auf dieser Basis können sie bei der Futtersuche abwägen, welche Stelle in der Wassersäule sie sich suchen. Nahe der Oberfläche gibt es die meisten Algen zu fressen. Gleichzeitig drohen die Krebstiere von UV-Strahlen verbrannt zu werden. Außerdem lauern dort hungrige Fische. Die Körpergröße der Tiere scheint zu bestimmen, wie risikofreudig ein Wasserfloh ist.

Sein einzigartiges Genom könnte den Wasserfloh nach Ansicht der Forscher in Zukunft zu einem Modellorganismus eines völlig neuen Wissenschaftsgebiets avancieren lassen: Es gehe darum, das Zusammenspiel von Umwelt und Genen besser zu verstehen. Außerdem wäre es denkbar, den Floh dafür einzusetzen, die Wirkung von Umweltgiften auf die Gesundheit und die Wasserqualität zu untersuchen. "Es passiert in der Wissenschaft nicht oft, dass ein neues Modellsystem auf den Plan tritt, das eine so wichtige Rolle bei der Entwicklung eines neuen Wissenschaftsgebiets spielt", sagt Forscher Colbourne.

chs/dapd

Freitag, 21. Januar 2011

Dienstag, 11. Januar 2011

Pech

'Dem Herrn Bürger sagte der Arbeiter Brietz, als überraschend ein heftiges Gewitter niederprasselte: der Baum, unter dem sie beide ständen, wäre auch wohl zu klein für zwei, und er könnnte sich wohl unter einen andern stellen. Der Herr Bürger, der ein stiller und bescheidener Mann ist, stellte sich wirklich unter einen andern: worauf der Baum und leider auch Brietz unmittelbar darauf vom Blitz getroffen und getötet ward.'